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Dokument-Nr. 12635
Bertram, Adolf Johannes an Pacelli, Eugenio
Breslau, 10. Dezember 1922

Kopie
Hochwürdigster Herr Apostolischer Nuntius!
Exzellenz!
Unter Rueckgabe des mit Eurer Exzellenz geschaetzten Schreiben vom 1. d. M. Nr. 25809 mitgeteilten Briefes des Herrn Praelaten Weimann in Tuetz vom 28. v. M. moechte ich der Ansicht sein, dass
I.
fuer Praelat Weimann notwendig und leicht zu erteilen ist die Vollmacht, das hl. Sakrament der Firmung zu spenden und Kelche nebst Patenen zu weihen: Vollmachten, die der Heilige Stuhl jetzt stets leicht erteilt; vielleicht auch Vollmacht zur Weihe von altaria portatilia.
Fuer Vollmacht, Kirchen zu konsekrieren, besteht kein Beduerfnis, da auf lange Jahre Benediktion genuegt.
II.
Wenn fuer den Culmer Anteil, der an die Dioezese Ermland grenzt, ein Administrator Apostolicus bestellt wird, so kann es auch fuer den Culmer Anteil, der bei Tuetz liegt, geschehen.
Dann ist Bischof Bludau im Hauptamte Bischof von Ermland und im Nebenamte Apostolischer Administrator fuer den angrenzenden Culmer Anteil,
und in ganz gleicher Weise Praelat Weimann im Hauptamte
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Posener Erzbischofsdelegat fuer den Preussischen Teil der Posener Dioezese, im Nebenamte Apostolischer Administrator fuer den angrenzenden Culmer Anteil.
Fuer den Bischof von Culm genuegt ein Wink: Mens Sanctae Sedis est, ut abstineat.
III.
Im Uebrigen kann Praelat Weimann bis zu derjenigen Zeit, wo Ostdeutschland in allen seinen Teilen neu eingeteilt wird, ganz ruhig in derselben Stellung verbleiben, wie der Generalvikar Dittert in der Grafschaft Glatz fuer den bedeutenden Preussischen Anteil der Prager Erzdioezese und wie Praelat Nathan in Branitz fuer den preussischen Anteil der Olmuetzer Erzdioezese.
Warum ich Zurueckhaltung empfehle, bitte ich aus folgender Erwaegung guetigst zu ersehen.
Wenn fuer den Preussischen Anteil der Posener Erzdioezese ein Administrator Apostolicus bestellt wird, so wird der Polnische Staat das mit viel mehr Nachdruck fuer die bei Breslau noch verbliebenen polnischen Teile verlangen. Nach Abtrennung des Polnischen Oberschlesiens hat naemlich die Dioezese Breslau noch 2 Complexe im Staate Polen:
a) an der nordoestlichen Grenze, angrenzend an Erzdioezese Posen, 13 Kirchorte (teils Pfarreien; teils Filialen),
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b) an der suedoestlichen Grenze 34 Pfarreien (Generalvikariat Teschen), angrenzend an die Dioezese Krakau.
In dem sub a) genannten Gebiete liegen die Gueter des Breslauer Domkapitels. Werden die sub a) genannten Pfarreien ganz von Breslau losgerissen, so damit auch das Territorium, in dem die Gueter des Domkapitels liegen. Die Position der Breslauer Kirche ist damit in Polen noch mehr als seither geschwaecht; ebenso wie sie in Tschechien sehr geschwaecht wuerde, und der Besitz des fürstbischöflichen Stuhles in Tschechisch-Schlesien gewaltig gefaehrdet wuerde, wenn überall die kirchliche Jurisdiktion durch Anstellung von Administratores Apostolici zurueckgedraengt wuerde.
Hieraus bitte zu ersehen, wie stark die Gruende sind, aus denen ich zur Vorsicht mahne.
In tiefer Ehrerbietung bleibe
Eurer Exzellenz
ergebenster
(gez.) A. Card.  Bertram
Empfohlene Zitierweise:
Bertram, Adolf Johannes an Pacelli, Eugenio vom 10. Dezember 1922 , Anlage, in: 'Kritische Online-Edition der Nuntiaturberichte Eugenio Pacellis (1917-1929)', Dokument Nr. 12635, URL: www.pacelli-edition.de/Dokument/12635. Letzter Zugriff am: 24.11.2020.
Online seit 31.07.2013