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Dokument-Nr. 6388
Lohse, Friedrich Rudolf an Hartmann, Felix von
Gießen, 08. April 1923

Abschrift . Telegramm
Gestern hat die wild gewordene Soldateska von Trier eine 24 Stunden zuvor ausgesprochene Drohung wahr gemacht, indem sie mit ihren farbigen Afrikanern 106 Familien der Eisenbahnerkolonie zu Trier-West auf die Strasse setzte, weil die Männer dem Reiche den Treueid nicht brechen wollen. Erst als die Spahis die Möbel aus den Fenstern auf die Strasse warfen, griffen hilfreiche Hände mit zu, um nicht alles in Stücke gehen zu lassen. Jetzt sind diese Ärmsten mit Weib und Kind und ihrem Hausrat obdachlos. Flüchtlingsfürsorge zu Trier versucht die Not zu lindern. Hilfsaktion nötig. Bitte Kommissare neutraler Mächte entsenden. Erbitte ferner mir für diese Familien zunächst reichliches Schmerzensgeld aus den Hilfsfonds zur Verfügung zu stellen. Einer andern 98 Familien starken Kolonie der Eisenbaugenossenschaft St. Paulin zu Trier und einer 500 Familien starken Kolonie in Ehrang steht für die nächsten Tage das gleiche Schicksal bevor. Diese irrsinnige Roheit kann nicht laut genug vor aller Welt gebrandmarkt werden. Passiver Widerstand wächst. Gleiches erhalten Reichspräsident, Reichskanzler, Reichsverkehrsminister Berlin, Oberpräsident Fuchs Wetzlar, Erzbischof Köln.
Reichsbahndirektionspräsident Lohse.
Empfohlene Zitierweise:
Lohse, Friedrich Rudolf an Hartmann, Felix von vom 08. April 1923 , Anlage, in: 'Kritische Online-Edition der Nuntiaturberichte Eugenio Pacellis (1917-1929)', Dokument Nr. 6388, URL: www.pacelli-edition.de/Dokument/6388. Letzter Zugriff am: 17.11.2019.
Online seit 24.10.2013