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Hubert Bastgen

* 21. August 1876, ✝ 04. Mai 1946
Kirchenhistoriker
Studium der Theologie in Trier, Bonn und Berlin, 1900 Priesterweihe, 1906 Dr. theol. in Breslau, 1907 Dr. phil. in Berlin und Studium an der Accademia dei Nobili ecclesiastici und an der Päpstlichen Universität St. Apollinare in Rom, 1908 Dr. iur. can., 1910 Habilitation in Straßburg, 1916-1918 im Auftrag des Zentrumsabgeordneten Matthias Erzberger "Sondergesandter der Deutschen Reichsregierung und des Heiligen Stuhls" bei Zar Ferdinand I. von Bulgarien in Sofia und kirchenpolitische Mission im Auftrag Erzbergers in Litauen und Lettland, 1920-1930 Archivstudien im Vatikanischen Geheimarchiv zur deutschen Kirchengeschichte der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Analyse
Die Beziehungen zwischen Hubert Bastgen und dem Heiligen Stuhl bzw. Pacelli waren von einer gewissen Ambivalenz gekennzeichnet.
Auf der einen Seite stehen positive Bewertungen über Bastgen. So stieß der zweite Band des dreibändigen Werks zur Römischen Frage im Vatikan auf Wohlwollen, weshalb der Papst Bastgen den Apostolischen Segen spendete ( Dokument Nr. 1244).
Bastgen war ein Vertrauter des Zentrumspolitikers und Informanten der Münchener Nuntien Matthias Erzberger. Durch dessen Initiative wurde er von 1916 bis 1918 "Sondergesandter der Deutschen Reichsregierung und des Heiligen Stuhls" bei dem deutschstämmigen bulgarischen Zaren Ferdinand zu Verhandlungen über eine Kirchenunion der bulgarisch-orthodoxen Kirche mit Rom. Über diese Tätigkeit berichtete Bastgen auch Pacelli, der den Brief an den Heiligen Stuhl weiterleitete ( Dokument Nr. 8533). Die Initiative für diese Tätigkeit Bastgens war allerdings mehr auf Erzberger als auf die Reichsregierung oder den Heiligen Stuhl zurückzuführen. Die Mission war letztlich nicht von Erfolg gekrönt.
Pacelli nahm auch über Bastgen auf dessen Freund Erzberger Einfluss, als dieser in seinen autobiographischen "Erlebnissen im Weltkrieg" unter anderem über seine eigene Rolle und die des Nuntius bei der Friedensinitiative Benedikts XV. vom Sommer 1917 berichtete. Bastgen bestand darauf, dass Erzberger die von Pacelli verlangten Korrekturen im Manuskript übernahm. In seiner Darstellung über diese Vorgehensweise legte der Nuntius gegenüber Kardinalstaatssekretär Pietro Gasparri Wert darauf, Bastgen als vertrauensvoll erscheinen zu lassen, weshalb er auf dessen Ausbildung in der angesehenen "Accademia dei Nobili ecclesiastici" verwies, an der Pacelli selbst auch studiert hatte ( Dokument Nr. 4226). In der Retrospektive lobte Pacelli, dass sich Bastgen "eifrig" darum bemüht habe, dass Erzberger nicht "noch schwerwiegendere Unvorsichtigkeiten – zum Schaden für den Heiligen Stuhl – bei der Zusammenstellung seiner Memoiren" beging ( Dokument Nr. 12171). Es erscheint in diesem Kontext auch möglich, dass Pacelli Bastgen als Vertrauenspeson nutzte, um auf Erzberger in Bezug auf die Publikation eines Zeitungsartikels über die Friedensinitiative vom Sommer 1917 einzuwirken ( Dokument Nr. 2034).
Bastgen war auch maßgeblich daran beteiligt, dass die Witwe Paula Erzberger nach der Ermordung ihres Mannes die den Vatikan betreffenden Akten ihres Mannes dem Heiligen Stuhl zum Verbleib im Münchener Nuntiaturarchiv übergab, damit diese sensiblen Dokumente nicht in falsche Hände gerieten und veröffentlich wurden (Schlagwort Nr. 13056).
Auf der anderen Seite sah Pacelli Bastgen durchaus kritisch. Als dieser, seit 1920 als Privatgelehrter in Rom, sich im Herbst 1921 um den Titel eines Päpstlichen Hausprälaten bemühte, antwortete man im Staatssekretariat erst einmal ausweichend und verlangte von Pacelli eine vertrauliche Einschätzung (Dokument Nr. 2427). Dieser fragte bei Bastgens Trierer Ortsbischof Felix Korum nach – dessen Antwort konnte in Pacellis Nuntiaturarchiv allerdings nicht nachgewiesen werden. Möglicherweise spielte der Trierer Diözesanpriester, Zentrumspolitiker und Vertraute Pacellis Ludwig Kaas bei dem Informationsaustausch eine informelle Rolle, was allerdings nicht belegt werden kann. Der Nuntius verwies in seinem Bericht lediglich auf vertrauliche Informationen, nach denen eine Ernennung Bastgens zum Päpstlichen Hausprälaten nicht ratsam sei, da dessen priesterlicher Lebenswandel nicht immer tadellos sei (Dokument Nr. 3836). Den ersehnten Prälatentitel erhielt Bastgen daraufhin nicht. Doch er gab nicht auf und wiederholte seine Bitte 1923. Gasparri forderte vom Münchener Nuntius eine erneute Stellungnahme ( Dokument Nr. 2428). Dieses Mal legte Pacelli seiner Antwort das Schreiben des Trierer Bischofs Rudolf Bornewasser bei, der sich nicht prinzipiell gegen eine Ernennung stellte, jedoch darauf hinwies, dass er Bastgen nicht persönlich kannte und ihn deshalb nicht wirklich einschätzen konnte ( Dokument Nr. 12184). Pacelli präzisierte seine Äußerungen aus dem Jahr 1921 dahingehend, dass ihm seinerzeit kaum überprüfbare Gerüchte über das moralische Verhalten Bastgens zu Ohren gekommen seien, die ihn zu seiner Ablehnung geführt hatten. Da sich dieser allerdings zu jener Zeit in Rom aufgehalten habe, könne der Heilige Stuhl diese Gerüchte leicht überprüfen. Das wissenschaftliche Werk Bastgens schätzte Pacelli ähnlich wie Bornewasser zwiespältig ein. Darüber hinaus verwies er auf den oben genannten Einfluss Bastgens auf Erzberger beim Zusammenstellen seiner Memoiren. Der Nuntius kam zu dem Schluss, dass er keine zu großen Schwierigkeiten darin sehen würde, Bastgen zum Päpstlichen Hausprälaten zu ernennen, sollte dessen priesterlicher Lebenswandel keinen Anlass zu Klagen geben ( Dokument Nr. 12171). Pacelli revidierte damit vorsichtig seine Einschätzung aus dem Jahr 1921. Doch der Heilige Stuhl konnte sich nicht dazu durchringen, Bastgen den ersehnten Prälatentitel zu verleihen, was nicht unwesentlich an Pacellis Beurteilung gelegen haben wird.
Quellen
Bastgen, Hubert (1876-1946), in: www.nachlassdatenbank.de (Letzter Zugriff am: 05.10.2009).
BASTGEN, Hubert, Die römische Frage. Dokumente und Stimme, 3 Bde., Freiburg im Breisgau u. a. 1917-1919.
Literatur
Bastgen, Hubert, in: Deutsche Biographische Enzyklopädie, in: www.degruyter.com (Letzter Zugriff am: 26.11.2012).
BRANDT, Hans Jürgen / HÄGER, Peter (Hg.), Biographisches Lexikon der katholischen Militärseelsorger Deutschlands 1848-1945, Paderborn 2002, S. 39 f.
HAAS, Reimund, Bastgen, Hubert, in: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon 18 (2001), Sp. 152-157, in: www.bbkl.de (Letzter Zugriff am: 27.05.2014).
HAAS, Reimund, Hubert Bastgen (1876-1946) und seine Forschungen aus dem Vatikanischen Archiv, in: Römische Quartalschrift 88 (1993), S. 156-186.
HAAS, Reimund, Matthias Erzberger, Hubert Bastgen und die kirchenpolitischen Pläne für eine katholische Kirchenunion mit Bulgarien (1916-1918), in: Ostkirchliche Studien 55 (2006), S. 218-258.
HAAS, Reimund, Bastgen, Hubert, in: Religion in Geschichte und Gegenwart 4 1 (1998), Sp. 1162.
HAAS, Reimund, Bastgen, Hubert, in: Lexikon für Theologie und Kirche3 2 (1994), Sp. 79.
VIAF: 30094375
Empfohlene Zitierweise
Hubert Bastgen, in: 'Kritische Online-Edition der Nuntiaturberichte Eugenio Pacellis (1917-1929)', Biographie Nr. 2046, URL: www.pacelli-edition.de/Biographie/2046. Letzter Zugriff am: 07.12.2019.
Online seit 24.03.2010, letzte Änderung am 13.06.2014
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