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Barmherzige Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul in München

Die Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul, die 1734 in Straßburg gegründet wurden, kamen 1832 auf ausdrücklichen Wunsch König Ludwigs I. nach München, um die Krankenpflege im "Allgemeinen Krankenhaus" zu übernehmen. Bereits 1839 errichteten sie eine eigene Kongregation und ein eigenes Mutterhaus in München. Sie wurden in der Folgezeit zur Übernahme weiterer Krankenhäuser in Bayern und Österreich gedrängt, aus denen in Innsbruck, Graz, Schwarzach und Augsburg selbstständige Mutterhäuser neuer Kongregationen entstanden. Auch innerhalb Münchens expandierte die Kongregation. So gehörten 1933 rund 2.650 Schwestern und 54 Filialen zum Münchener Mutterhaus, das u. a. alle wichtigen Universitätskliniken und Krankenhäuser leitete.
Eine Besonderheit stellt die Filiale in Adelholzen (Dokument Nr. 2042) dar. Die Schwestern betrieben seit 1907 im oberbayerischen Wildbad Adelholzen das Kurhaus und die angeschlossene Heilquelle. Das um die Adelholzener Primusquelle entstandene Heilbad wurde im 19. Jahrhundert zu einem beliebten Kurort. In unmittelbarer Nähe zur Heilquelle wurden ein Gästehaus sowie eine Abfüllanlage für das Heilwasser errichtet. Als die Betreiber des Kurbetriebs 1906 bankrott gingen, konnten die Barmherzigen Schwestern das 33 Hektar große Gelände erwerben. Am 29. April 1907 begannen die Ersten Schwestern ihre Arbeit, die die Betreuung der Kurgäste sowie die Verarbeitung und den Versand des Heilwassers umfasste. Die Ordensleitung in München entsandte bald eine eigene Oberin nach Adelholzen und entwarf einen Unternehmensplan, der den Grundstein für den wirtschaftlichen Erfolg legte. Durch Renovierungsarbeiten und Baumaßnahmen am Kurhaus wurde der Kurbetrieb erweitert. Dies zog gerade in den Sommermonaten eine große Zahl von Gästen an, darunter Mitglieder des Königshauses und kirchliche Würdenträger wie den Münchener Erzbischof Franz Josef von Stein und seinen Nachfolger Michael Kardinal von Faulhaber. Ebenso zählte Pacelli in den 1920er Jahren zu den prominenten Gästen. Unter dem 22. August 1922 notierte er im Gästebuch: "In dankbarer Erinnerung an die unvergesslichen Tage in Adelholzen wünsche ich allen, die das Glück haben hierher zu kommen, die gleiche Erholung, welche ich da gefunden habe" (HEMPE, S. 60). Die Heilquelle und der damit verbundene Getränkefertigungsbetrieb bestehen bis heute.
Literatur
Barmherzige Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul; Schlagwort Nr. 24074.
HEIMBUCHER, Max, Die Orden und Kongregationen der katholischen Kirche, Bd. 2, Paderborn 1934, ND München / Paderborn / Wien 1965, S. 469.
HEMPE, Mechthild, 100 Jahre Barmherzige Schwestern in Adelholzen. Im Wandel vom Kurort zum modernen Brunnenbetrieb 1907 bis 2007, Köln 2007, S. 37-65.
PETTINATI, Guidoin, Carità, di Strasburgo (Francia), Suore della, in: Dizionario degli Istituti di Perfezione 2 (1975), Sp. 325 f.
ROCCA, Giancarlo, Carità di San Vincenzo de' Paoli, di Monaco (Germania), Suore della, in: Dizionario degli Istituti di Perfezione 2 (1975), Sp. 369 f.
RUMMEL, Peter / WETTER, Immolata, Die nichtmonastischen Ordensgemeinschaften, in: BRANDMÜLLER, Walter (Hg.), Handbuch der bayerischen Kirchengeschichte, Bd. 3: Vom Reichsdeputationshauptschluss bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil, St. Ottilien 1991, S. 755-808, hier 778.
Empfohlene Zitierweise
Barmherzige Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul in München, in: 'Kritische Online-Edition der Nuntiaturberichte Eugenio Pacellis (1917-1929)', Schlagwort Nr. 11114, URL: www.pacelli-edition.de/Schlagwort/11114. Letzter Zugriff am: 23.10.2019.
Online seit 04.06.2012, letzte Änderung am 10.09.2018
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