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Molinismus

Molinismus bezeichnet ein Gnadensystem, das auf den Jesuiten Luis de Molina (1535-1600) zurückgeht. Grundlegend für dieses System ist Molinas Werk "Concordia liberi arbitrii cum gratiae donis"(1588). Die Gnadenlehre Molinas wollte sich gemäß dem gegenreformatischen Anspruch der Jesuiten klar von Luther absetzen und betont daher besonders die Bedeutung der menschlichen Freiheit beim Wirken der Gnade. Ob Gnade wirkt, war nach Molina daher vom freien Willen des Menschen abhängig: "Wie der Mensch dann aber tatsächlich handelt, ist ganz Sache des menschlichen Willens, der selbstständig, mit der ihm angeborenen Freiheit, über den Umgang mit der von Gott ausgehenden Bewegung entscheidet" (BERGER, S. 332).
1605 sollte eine Bulle Clemens VIII. die molinistische Gnadenlehre verbieten, was jedoch durch den Papsttod am Tag der Unterzeichnung unterblieb. 1607 löste Papst Paul V. die Indizierungskommission zum Verbot dieser Gnadenlehre auf. Eine unter Papst Pius X. erwartete Entscheidung kam nicht zustande, eine abschließende päpstliche Entscheidung über den Monilismus steht bis heute aus. In der Neuscholastik wurde Molina von vielen Jesuiten rezipiert.
Literatur
BERGER, David, In der Schule des hl. Thomas von Aquin. Studien zur Geschichte des Thomismus, Bonn 2005, S. 41, 298-299, 331-345.
STEGMÜLLER, Friedrich, Molina, in: Lexikon für Theologie und Kirche 7 (1935), Sp. 261.
STEGMÜLLER, Friedrich, Molinismus, in: Lexikon für Theologie und Kirche 7 (1935), Sp. 262 f.
VORNER, Ingrid, Füreinander vor Gott eintreten. Eine Untersuchung der molinistisch-neuscholastischen Theologie im Hinblick auf eine Erneuerung der Theologie der Suffragien, Marburg 2006, S. 30.
Empfohlene Zitierweise
Molinismus, in: 'Kritische Online-Edition der Nuntiaturberichte Eugenio Pacellis (1917-1929)', Schlagwort Nr. 1371, URL: www.pacelli-edition.de/Schlagwort/1371. Letzter Zugriff am: 09.12.2019.
Online seit 24.06.2016
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