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Note Ercole Consalvis an Ludwig Karl Konrad Georg von Ompteda vom 2. September 1817

Das 1814 auf dem Wiener Kongress neu entstandene Königreich Hannover war an einer Ordnung des katholischen Kirchenwesens in seinem Sinne interessiert. Es vertrat dabei die zeittypischen staatskirchlichen Vorstellungen. Zu diesen zählte auch das Nominationsrecht des Königs für die beiden Bischofsstühle in Hildesheim und Osnabrück. Dieses hatte vor der napoleonischen Epoche, wie in Reich üblich, bei den Domkapiteln gelegen. Die hannoversche Regierung hoffte, das Domkapitelwahlrecht in direkten Verhandlungen mit dem Heiligen Stuhl leichter kassieren zu können als in solchen mit dem heimischen Klerus. Zu diesem Zweck wurde Ludwig Karl Konrad Georg von Ompteda im Frühjahr 1817 nach Rom entsandt. Er legte die hannoverschen Forderungen in zwei Noten vom 20. Mai und vom 28. Juni Kardinalstaatssekretär Ercole Consalvi vor. Dieser antwortete in einer ausführlichen Note vom 2. September. In dieser betonte er, dass das Recht, Bischöfe zu nominieren, ein Privileg sei, das der Heilige Stuhl in der Geschichte nur katholischen Souveränen gewährt habe. Es sei keinesfalls als Ausfluss landesherrlicher Souveränität zu betrachten. Der Kardinalsstaatssekretär unterstrich des Weiteren, dass das Kapitelwahlrecht in Deutschland herkömmlich sei und nicht durch den Reichsdeputationshauptschluss von 1803 auf die Landesherren übergegangen sei. Für den Papst gebe es auch keine Veranlassung, es den Kapiteln von Hildesheim und Osnabrück zu nehmen. In der Bulle "Impensa Romanorum Pontificum" vom 26. März 1824 wurde das Kapitelwahlrecht trotz hannoverschen Widerstandes schließlich bestätigt.
Quellen
Bulle "Impensa Romanorum Pontificum" vom 26. März 1824, in: HUBER, Ernst Rudolf / HUBER, Wolfgang (Hg.), Staat und Kirche im 19. und 20. Jahrhundert. Dokumente zur Geschichte des deutschen Staatskirchenrechts, Bd. 1: Staat und Kirche vom Ausgang des alten Reichs bis zum Vorabend der bürgerlichen Revolution, Berlin 21990 ND Darmstadt 2014, Nr. 121, S. 299-308 [deutscher Text].
Bulle "Impensa Romanorum Pontificum" vom 26. März 1824, in: MERCATI, Angelo (Hg.), Raccolta di concordati su materie ecclesiastiche tra la Santa Sede e le autorità civili, Bd. 1: 1098-1914, Rom 21954, S. 689-696 [lateinischer Text].
Note Ercole Consalvis an Ludwig Karl Konrad Georg von Ompteda vom 2. September 1817, in: MEJER, Otto, Zur Geschichte der römisch-deutschen Frage, Theil 2, Abth. 2: Preußen, Hannover und die oberrheinischen Staaten, bis März 1819, Freiburg im Breisgau 21885, S. 301-328.
Note Consalvis vom 2. September 1817 an den hannoverschen Gesandten Ompteda, in: FRIEDBERG, Emil, Der Staat und die Bischofswahlen in Deutschland. Ein Beitrag zur Geschichte der katholischen Kirche und ihres Verhältnisses zum Staat. Mit Aktenstücken. Das neunzehnte Jahrhundert, Leipzig 1874, ND Aalen 1965 Aktenstücke, Nr. XXII, S. 47-53 [Auszug].
Literatur
ASCHOFF, Hans-Georg, Das Verhältnis von Staat und katholischer Kirche im Königreich Hannover (1813-1866) (Quellen und Darstellungen zur Geschichte Niedersachsens 86), Hildesheim 1976, S. 55-117, bes. 69-72.
FRIEDBERG, Emil, Der Staat und die Bischofswahlen in Deutschland. Ein Beitrag zur Geschichte der katholischen Kirche und ihres Verhältnisses zum Staat. Mit Aktenstücken. Das neunzehnte Jahrhundert, Leipzig 1874, ND Aalen 1965, S. 63-90, bes. 70-72.
MEJER, Otto, Zur Geschichte der römisch-deutschen Frage, Theil 2, Abth. 2: Preußen, Hannover und die oberrheinischen Staaten, bis März 1819, Freiburg im Breisgau 21885.
Empfohlene Zitierweise
Note Ercole Consalvis an Ludwig Karl Konrad Georg von Ompteda vom 2. September 1817, in: 'Kritische Online-Edition der Nuntiaturberichte Eugenio Pacellis (1917-1929)', Schlagwort Nr. 14039, URL: www.pacelli-edition.de/Schlagwort/14039. Letzter Zugriff am: 21.10.2020.
Online seit 31.07.2013, letzte Änderung am 26.06.2019
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