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Bühnenvolksbund

Der christlich-deutsche Bühnenvolksbund war eine Organisation für Theaterbesucher, die in den Jahren von 1919 bis 1933 versuchte, durch die Sammlung der Besucherschaft Einfluss auf die Spielpläne der Theater zu erhalten. Als Vorbild dienten dem Bühnenvolksbund die Berliner Volksbühne und andere Volksbühnenvereine.
Die Organisation war in Ortsausschüsse unterteilt, die den Theaterbesuch für ihre Mitglieder regelten, während sich die übergeordneten Landesverbände und der Bundesvorstand um die Verwaltung, die Finanzierung und die Verbandspolitik kümmerten. Die stark zentralistische Tendenz des Vereins ließ nur wenige Gestaltungsmöglichkeiten vor Ort zu.
In Zusammenarbeit mit den christlichen Vereinen und Verbänden wurden Abonnenten und Fördermitglieder angeworben. Außerdem bildete die Zusammensetzung der Mitglieder ein Alleinstellungsmerkmal der Organisation: Anders als in der Volksbühnenbewegung, die auch die Arbeiterschaft erreichte, setzte sich der Bühnenvolksbund vor allem aus der Mittelschicht bzw. dem Bürgertum (Angestellte, untere und mittlere Beamte, Kaufleute etc.) zusammen. Weit über die Hälfte der Mitglieder waren Frauen.
Gemäß dem dezidiert christlichen Gepräge des Bühnenvolksbundes wurde das Kulturprogramm gestaltet und der Frage nachgegangen, was ein christliches Theater bzw. eine christliche Stückauswahl auszeichnet. Im Kern sollte die Bevölkerung für das Theater begeistert und dieses als gemeinschaftsprägend erfahren werden. Diese Programmatik, die auch in der Wiederbelebung christlicher Stücke (Weihnachts-, Passions-, und andere Mysterienspiele) einen wichtigen Schritt sah, fand sich jedoch in keinem Spielplan der deutschen Theaterlandschaft wieder. Ein wichtiges Moment zur Umsetzung der eigenen Grundsätze stellte die Verlagsarbeit und die Organisation von Wanderbühnen dar.
Finanziell war die Vereinigung von staatlichen Subventionen abhängig, da die Mitgliederbeiträge nicht ausreichten. Gerade in den 1920er Jahren wurden Schulden angehäuft, die den Bühnenvolksbund in erhebliche Schwierigkeiten stürzten. Trotz der schwierigen finanziellen Lage behauptete sich der Bühnenvolksbund bis zu seiner Auflösung im April 1933.
Literatur
HÜPGENS, Theodor, Zehn Jahre Bühnenvolksbund: Festschrift zur Bundestagung Braunschweig, 25. bis 28. Mai 1929, Braunschweig 1929.
KANNBERG, Gregor, Der Bühnenvolksbund. Aufbau und Krise des christlich-deutschen Bühnenvolksbundes, 1919-1933 (Theaterwissenschaft 1), Köln 1997.
Empfohlene Zitierweise
Bühnenvolksbund, in: 'Kritische Online-Edition der Nuntiaturberichte Eugenio Pacellis (1917-1929)', Schlagwort Nr. 14070, URL: www.pacelli-edition.de/Schlagwort/14070. Letzter Zugriff am: 03.06.2020.
Online seit 31.07.2013
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