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Affäre Joseph Schmidlin

Die Affäre um Joseph Schmidlin meint dessen öffentlich gewordene Glaubenskrise im Jahr 1925, über die in der Literatur allerdings nur wenig bekannt ist.
Analyse
Der Münsteraner Missionswissenschaftler Schmidlin bezeichnete sich selbst als Heuchler, bat um seine Entlassung aus dem Kirchendienst und um eine Anstellung in der Preußischen Staatsbibliothek. Pacelli bat den Münsteraner Moraltheologen Joseph Mausbach, mit dem er bereits in der Frage der Anerkennung der Weimarer Reichsverfassung zusammengearbeitet hatte, ein Gutachten über Schmidlin zu verfassen. Mausbach versuchte, die Aussagen Schmidlins mit dessen schwierigen Charakter zu entschuldigen und entschärfte so die Angelegenheit.
Mausbach stellte bei Schmidlin eine „tiefe Erschuetterung des Glaubens“ fest und nannte Schmidlin „eine eigenartige, stark erregbare und komplizierte Persoenlichkeit“ die „einerseits ueberaus scharfsinnig, gelehrt und leistungsfaehig, anderseits Stimmungsmensch, ungeschickt und unbesonnen in der Wahl der Worte - in Rede, Brief und literarischer Kritik“ sei. Weiterhin sah Mausbach in den „Vorlesungen N's" - so der kryptische Deckname Mausbachs für Schmidlin - "nichts Glaubensgefaehrliches“ und die „Aussicht auf friedliche Loesung“.
Quellen
Mausbach an Pacelli, vor dem 3. Juni 1925; Dokument Nr. 16491.
Literatur
FELDKAMP, Michael, Pius XII. und Deutschland, Göttingen 2000, S. 62.
Empfohlene Zitierweise
Affäre Joseph Schmidlin, in: 'Kritische Online-Edition der Nuntiaturberichte Eugenio Pacellis (1917-1929)', Schlagwort Nr. 1528, URL: www.pacelli-edition.de/Schlagwort/1528. Letzter Zugriff am: 20.07.2019.
Online seit 24.06.2016
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