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Katholikentag in Berlin-Tegel am 8. August 1926

Gemeint ist hier ein "kleiner" bzw. "lokaler" Katholikentag. Neben den Generalversammlungen der Katholiken Deutschlands, die seit 1848 jährlich stattfanden und bald den Namen Deutscher Katholikentag erhielten, fanden seit Ende des 19. Jahrhunderts lokale Katholikentag statt. Nach Ende des Ersten Weltkriegs wurden lokale Katholikentage in der Diaspora zu einer regelmäßigen Einrichtung, insbesondere in Sachsen, Thüringen oder der Mark Brandenburg.
Am 8. August 1926 fand in Berlin-Tegel der 24. Märkische Katholikentag statt, welcher der Germania zufolge 80.000 Teilnehmende anlockte. Der Leitgedanke der Veranstaltung lautete "Das Laienapostolat im Lichte des Königtums Christi" - ganz im Sinne der Enzyklika "Quas primas" vom 11. Dezember 1925, mit der Pius XI. das Christkönigsfest eingesetzt hatte. Der Katholikentag begann mit einem Pontifikalamt mit dem Berliner Weihbischof Joseph Deitmer. Die Festpredigt hielt der Berliner Jesuit Peter Lehmann, der den Zusammenhang zwischen dem Königtum Christi und dem Laienapostolat in Vereinen, Presse und Gebet erläuterte. Anschließend fand ein Festmahl mit circa 300 Gästen stand, an dem unter anderem der exilierte Bischof von Tiraspol, Josef Alois Kessler, sowie der Staatssekretär und Chef der Reichskanzlei, Hermann Pünder, teilnahmen.
Später erschien Pacelli mit seinem Privatsekretär Eduard Gehrmann und seinem Nuntiaturrat Luigi Centoz. Bei der Nachmittagsandacht vor der Pfarrkirche Herz Jesu am Brunowplatz im Zentrum von Tegel erteilte der Nuntius nicht nur den Apostolischen Segen, sondern er hielt auch eine kurze Ansprache. Er verglich darin Paderborn, wo er zwei Wochen zuvor geweilt hatte, mit Tegel. Jenes sei zwar altehrwürdig, dieses aber ein Ort vorbildlicher Diasporaarbeit. Die große Industrie in Tegel erzeuge zwar eine reiche materielle Kultur. Aber das Jenseits sei für Katholiken wichtiger als das Diesseits. Indem sie "in eine Hochflut materieller Diesseitskultur" hineingesetzt seien, seien die Tegeler Katholiken mit denen des Alten Roms vergleichbar.
Nach einem großen Festzug fanden sechs parallele Festversammlungen statt. Der Katholikentag sandte zudem Telegramme an Pius XI. und den Erzbischof von Mexiko. Schließlich nahm die Versammlung eine Entschließung an, die ganz im Sinne der Enzyklika "Quas prima" war.
Quellen
Der 24. Märkische Katholikentag, in: Germania, Abendausgabe, Nr. 365, vom 9. August 1926, S. 5 f.
Ansprache Pacellis auf dem 24. Märkischen Katholikentag in Tegel am 8. August 1926, in: KAAS, Ludwig (Hg.), Eugenio Pacelli. Erster Apostolischer Nuntius beim Deutschen Reich. Gesammelte Reden, Berlin 1930, S. 73-75.
Literatur
Enzyklika Pius' XI. "Quas primas" vom 11. Dezember 1925; Schlagwort Nr. 3198.
HÖHLE, Michael, Die Gründung des Bistums Berlin 1930 (Veröffentlichungen der Kommission für Zeitgeschichte B 73), Paderborn u. a. 1996, S. 142 f.
ROSAL, Heribert, Geschichte und Bedeutung der Märkischen Katholikentage für den Berliner Katholizismus, in: ELM, Kaspar / LOOCK, Hans-Dietrich (Hg.), Seelsorge und Diakonie in Berlin. Beiträge zum Verhältnis von Kirche und Großstadt im 19. und 20. Jahrhundert (Veröffentlichungen der Historischen Komission zu Berlin 74), Berlin 1990, S. 499-511.
Empfohlene Zitierweise
Katholikentag in Berlin-Tegel am 8. August 1926, in: 'Kritische Online-Edition der Nuntiaturberichte Eugenio Pacellis (1917-1929)', Schlagwort Nr. 1583, URL: www.pacelli-edition.de/Schlagwort/1583. Letzter Zugriff am: 03.06.2020.
Online seit 29.01.2018, letzte Änderung am 20.01.2020
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