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Lama-Michaelis-Kontroverse

Zwischen 1925 und 1932 zog sich eine polemische Kontroverse zwischen dem katholischen Publizisten Friedrich Georg Ritter von Lama und dem früheren protestantischen Reichskanzler Georg Michaelis hin. Der Katholik warf dem Protestanten vor, die päpstliche Friedensinitiative 1917 aus konfessionellen Gründen hintertrieben zu haben. Michaelis sah die Schuld dagegen in der ablehnenden Haltung der Entente.
Lama legte seinen Vorwurf seit Anfang 1925 in mehreren Artikeln und 1926 in seiner Broschüre "Der vereitelte Friede" dar. Zwar galt der konkrete Angriff Michaelis, doch eigentlich war er gegen den Evangelischen Bund und seinen Vorsitzenden Bruno Doehring gerichtet, die behauptet hatten, die Kurie betreibe seit dem Ende des Ersten Weltkriegs eine antideutsche Politik. Eine Rolle spielte vermutlich auch, dass Michaelis als Wortführer der protestantischen Gegner eines Preußenkonkordats auftrat. Es entspann sich eine Pressefehde zwischen Lama, Michaelis und ihren jeweiligen Unterstützern. Im Januar 1926 erhob Lama eine Beleidigungsklage gegen Doehring sowie die protestantischen Jounalisten Manitius und Nippler. Michaelis dagegen verzichtete zunächst auf eine Klage gegen Lama. Stattdessen wies er im Dezember 1926 die Behauptungen Lamas und anderer bei seiner Aussage vor dem 4. Untersuchungsausschuss zu den "Ursachen des deutschen Zusammenbruchs im Jahre 1918" öffentlichkeitswirksam zurück. Darüber hinaus sprang ihm der bekannte Historiker Friedrich Meinecke in einem öffentlichen Vortrag im Juni 1928 zur Seite. Auch wenn der Druck des Auswärtigen Amts Lama Anfang 1929 dazu brachte, seine Klage gegen Doehring, Manitius und Nippler zurückzuziehen, unternahm er weiter polemische Angriffe auf Michaelis. Dieser erhob daraufhin im Mai 1929 Klage gegen Lama. Da die Reichsregierung jedoch die Aussagegenehmigung für ihn und Richard von Kühlmann, der von 1917 bis 1918 Staatssekretär des Auswärtigen Amts gewesen war, verweigerte, zog Michaelis seine Klage zurück. Im Frühjahr 1930 versuchte Michaelis vergeblich, Pacelli als Fürsprecher zu gewinnen. 1932 veröffentlichte Lama ein neues Buch mit Angriffen auf Michaelis. Auch anlässlich von dessen 75. Geburtstag im selben Jahr kamen in der Presse erneut Diskussionen auf.
Quellen
LAMA, Friedrich Georg Ritter von, Die Friedensvermittlung Papst Benedikt XV. und ihre Vereitlung durch den deutschen Reichskanzler Michaelis (August-September 1917). Eine historisch-kritische Untersuchung, München 1932.
LAMA, Friedrich Georg Ritter von, Der vereitelte Friede. Meine Anklage gegen Michaelis und den Evangelischen Bund, Augsburg 1926.
MEINECKE, Friedrich, Kühlmann und die päpstliche Friedensaktion von 1917 (Sonderdruck aus: Sitzungsberichte der Preussischen Akademie der Wissenschaften, Phil.-Hist. Klasse), Berlin 1928.
Literatur
BECKER, Bert, Georg Michaelis. Preußischer Beamter, Reichskanzler, christlicher Reformer 1857-1936. Eine Biographie, Paderborn u. a. 2007, S. 451-468, in: digi20.digitale-sammlungen.de (Letzter Zugriff am: 24.04.2019).
Evangelischer Bund; Schlagwort Nr. 5008.
Päpstliche Friedensinitiative Benedikts XV. vom 1. August 1917; Schlagwort Nr. 6035.
Parlamentarischer Untersuchungsausschuss für die Schuldfragen des Ersten Weltkriegs; Schlagwort Nr. 3032.
Empfohlene Zitierweise
Lama-Michaelis-Kontroverse, in: 'Kritische Online-Edition der Nuntiaturberichte Eugenio Pacellis (1917-1929)', Schlagwort Nr. 2148, URL: www.pacelli-edition.de/Schlagwort/2148. Letzter Zugriff am: 22.09.2020.
Online seit 25.02.2019, letzte Änderung am 20.01.2020
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