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Taxil-Schwindel

Bei dem sogenannten "Taxil-Schwindel" handelte es sich um eine publikumswirksame Kampagne Leo Taxils (Pseudonym für Gabriel-Antoine Jogand-Pagès) gegen die Freimaurerei. Sie hatte das Ziel, den Satans- und Freimaurerwahn in der Katholischen Kirche anzuprangern.
Leo Taxil lehnte seine katholische Erziehung ab und wurde zum Antiklerikalen, was er in zahlreichen Hetzschriften zum Ausdruck brachte. 1881 trat er der Freimaurerloge "Le Temple de l'honneur français" bei, wurde jedoch noch in demselben Jahr wieder ausgeschlossen. Nach der Anti-Freimaurer-Enzyklika "Humanum genus" Leos XIII. vom 20. April 1884 hatte Taxil die Idee, sowohl die Katholische Kirche als auch die Freimaurerei durch eine Presse-, Buch- und Vortragskampagne zu verspotten. Er gab vor, zum Katholizismus zurückzukehren und setzte auf Anraten des Pariser Nuntius Camillo Siciliano di Rende seine schriftstellerischen Fähigkeiten nunmehr in Enthüllungsschriften gegen die Freimaurersekte und für die Kirche ein. Dabei mischte er gekonnt Realität und Fiktion, wobei Bezüge zu Jules Verne zu erkennen sind. Taxil erfand ein neues Freimaurersystem und ließ die fiktive Amerikanerin Diane Vaughan als ehemalige Freimaurerin Satanspraktiken enthüllen. Sie sagte die Ankunft des Antichristen für das Jahr 1995 voraus, woraufhin der zukünftige Papst, ein konvertierter Jude, den Katholizismus abschaffen würde.
1887 wurde Taxil von Leo XIII. in Privataudienz empfangen, der ihm für seine Enthüllungsschriften Anerkennung zollte. In der katholischen Presse wurden Taxils Bücher, die in zahlreichen Auflagen und Sprachen erschienen und ihm einen großen finanziellen Gewinn einbrachten, mit Begeisterung aufgenommen. Doch im Laufe der Jahre wuchs auch das Misstrauen gegen Taxil, so dass er nach zwölf Jahren seinen Schwindel, den er den "größten Ulk des 19. Jahrhunderts" nannte, auffliegen lassen musste, um einer Aufdeckung zuvorzukommen. Am 19. April 1897 erklärte er auf einer eigens einberufenen Tagung in Paris, auf der erstmals Diane Vaughan auftreten sollte, dass er den Papst, die Bischöfe und die Katholiken getäuscht, sich über sie lustig und damit ein einträgliches Geschäft gemacht habe. Taxil konnte durch seinen Schwindel theologische Defizite und einen Teufels- und Freimaurerwahn innerhalb der Katholischen Kirche aufdecken. Zu einer Reform des Katholizismus kam es jedoch als Reaktion auf die Schwindel nicht. Vielmehr versuchte die Amtskirche, den Skandal so gut es ging zu vertuschen und die Verantwortung auf die Leichtgläubigkeit der französischen Laien abzuschieben.
Literatur
EDER, Manfred, Taxil, Leo (Pseudonym für Gabriel-Antoine Jogand-Pagès), in: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon 11 (1996), Sp. 585-591, in: bbkl.de (Letzter Zugriff am: 10.09.2014).
LENNHOFF, Eugen (Hg.), Internationales Freimaurerlexikon, München 52006, S. 830 f.
RAFF, Thomas, Der Teufel Bitru, der Taxil-Schwindel und der "Simplicissimus", in: Quatuor Coronati-Jahrbuch 40 (2003), S. 217-223.
Empfohlene Zitierweise
Taxil-Schwindel, in: 'Kritische Online-Edition der Nuntiaturberichte Eugenio Pacellis (1917-1929)', Schlagwort Nr. 22001, URL: www.pacelli-edition.de/Schlagwort/22001. Letzter Zugriff am: 19.09.2019.
Online seit 02.03.2011, letzte Änderung am 29.09.2014
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