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Heiliges Jahr 1925

Das Heilige Jahr ist ein Zeitraum, in dem den Gläubigen, die zur Umkehr und zu einer Pilgerfahrt nach Rom bereit sind, die Möglichkeit zum vollständigen Ablass gewährt wird. Papst Bonifaz VIII. rief im Jahr 1300 das erste, damals noch so genannte besondere Jubeljahr (jubilaeum majus) aus und legte einen Zyklus von 100 Jahren fest. Zuletzt reduzierte Paul II. diesen im Jahr 1470 auf alle 25 Jahre. Zur Eröffnung eines jeden Heiligen Jahres (in der 1. Weihnachtsvesper) wurde die so genannte Porta aurea des Petersdoms geöffnet und am Ende des Jahres wieder zugemauert. Damit sollte an die altkirchliche Bußpraxis erinnert werden, die vorsah, dass die reuigen Büßer nur zu bestimmten Zeiten durch das Betreten des Kirchenraums wieder in die Gemeinschaft der Glaubenden aufgenommen wurden. Im 19. Jahrhundert fand nur 1825 ein Heiliges Jahr statt, da die Päpste aufgrund der politischen Situation und des unsicheren Status des Vatikans auf eine solche Feier verzichteten. Allerdings ging man dazu über, besondere Jubiläen ebenfalls mit einem vollkommenen Ablass zu versehen. Manche Päpste gewährten anlässlich ihrer Thronbesteigung eine kürzere Zeitspanne für den vollkommenen Ablass. Das Heilige Jahr 1900 fand in gewohnter Weise statt und zog viele Pilger an.
Das Jahr 1925 beging Pius XI. als Heiliges Jahr, nicht nur um dem Zyklus der heiligen Jahre zu folgen, sondern auch um das katholische Leben nach den Schrecken des Ersten Weltkrieges zu stärken. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges waren die Pilgerströme nach Rom abgebrochen und durch die wirtschaftliche Lage der ersten Nachkriegsjahre nur schleppend in Gang gekommen. Gleichzeitig nutzte Pius XI. den festlichen Anlass, um seinem Vorhaben der Verbreitung der katholischen Aktion nachzukommen. Unter dem Motto "pax Christi in regno Christi" eröffnete er die Heilige Pforte und das Heilige Jahr. Gemäß diesem Leitwort, das den Gedanken der Verwirklichung einer weltweiten Friedensordnung durch eine Ausrichtung auf Christus hin zu erreichen suchte, führte der Papst das Christkönigsfest ein, das am letzten Sonntag des Kirchenjahres im November begangen werden sollte. Er unterstrich die Auffassung, dass bei allen Umwälzungen und neuen Machtkonstellationen auf der Welt Christus ihr eigentlicher Herrscher sei.
Daneben sprach Pius mehrere Personen heilig, darunter Therese vom Kinde Jesu, Petrus Canisius, Jean Vianney, den Pfarrer von Ars, und Johannes Eudes; Bernadette Soubirous von Lourdes wurde selig gesprochen. Ein weiterer Fokus lag auf der Missionstätigkeit der Kirche, die durch eine groß angelegte Ausstellung im Vatikan der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Den Pilgern standen nun erstmals auch die frühchristlichen Katakomben offen, die Pius XI. durch Ausgrabungen hatte freilegen lassen. 1925 wurden erstmals auch die wöchentlichen Generalaudienzen eingeführt, die sich zu einer gängigen Praxis für die Pilger entwickelten. Da in diesem Jahr zum ersten Mal auch eine professionelle Besucherstatistik geführt wurde, konnte die Zahl der Pilger mit 582.234 Personen genau bestimmt werden. Darunter waren Menschen aus fast allen Nationen, wenngleich russischen Staatsbürgern die Ausreise verweigert worden war.
Quellen
Ankündigung "Infinita Dei" Pius' XI. vom 29. Mai 1924, in: Acta Apostolicae Sedis 16 (1924), S. 209-215, in: www.vatican.va/ (Letzter Zugriff am: 25.06.2015).
Apostolische Konstitution "Ex quo primum" Pius' XI. vom 5. Juli 1924, in: Acta Apostolicae Sedis 16 (1924), S. 305-308, in: www.vatican.va/ (Letzter Zugriff am: 25.06.2015).
Apostolische Konstitution "Si unquam" Pius' XI. vom 15. Juli 1924, in: Acta Apostolicae Sedis 16 (1924), S. 309-316, in: www.vatican.va/ (Letzter Zugriff am: 25.06.2015).
Apostolische Konstitution "Apostoli muneri" vom 30. Juli 1924, in: Acta Apostolicae Sedis 16 (1924), S. 316-320, in: www.vatican.va/ (Letzter Zugriff am: 25.06.2015).
Sendschreiben unseres Heiligsten Vaters Pius XI. durch göttliche Vorsehung Papst über das allgemeine Jubiläum des Heiligen Jahres 1925: Ankündigung und apostolische Konstitutionen. (29. Mai 1924: "Infinita Dei"; 5. Juli 1924: "Ex quo primum"; 15. Juli 1924: "Si unquam"; 30. Juli 1924: "Apostolico muneri"). Lateinisch/deutsch, Freiburg im Breisgau 1925.
Literatur
BERGER, Rupert, Heiliges Jahr. II. In der Kirche, in: Lexikon für Theologie und Kirche3 4 (1995), Sp. 1325.
BUCHBERGER, Michael, Pius XI. (Ambrogio Damiano Achille Ratti), in: Lexikon für Theologie und Kirche 8 (1936), Sp. 313-316, hier 314.
DAVID, Emmerich, Der Jubiläumsablaß, in: Pilgerblatt 3 (1925), S. 9-11.
Enzyklika Pius' XI. "Quas primas" vom 11. Dezember 1925; Schlagwort Nr. 3198.
HEINZ, Andreas, Christkönig. I. Christkönigfest, in: Lexikon für Theologie und Kirche3 2 (1994), Sp. 1140.
JUNG-INGLESSIS, Eva-Maria, Das heilige Jahr in Rom. Geschichte und Gegenwart, Rom 1997, S. 253-255.
MANSER, Anselm, Jubeljahr, in: Lexikon für Theologie und Kirche 5 (1933), Sp. 665-667.
MÜLLER, Winfried, Jubiläen und Heiligengedenken. Von den mittelalterlichen Ursprüngen bis zum Heiligenkult des 19. Jahrhunderts, in: FELTEN, Franz J. (Hg.), Bonifatius - Apostel der Deutschen. Mission und Christianisierung vom 8. bis ins 20. Jahrhundert (Mainzer Vorträge 9), Stuttgart 2004, S. 115-130.
SCHUCK, Johannes, Rom, die ewige Stadt. Das heilige Jahr, München 1925.
THURSTON, Herbert, The Roman Jubilee. History and ceremonial, London 1925.
Empfohlene Zitierweise
Heiliges Jahr 1925, in: 'Kritische Online-Edition der Nuntiaturberichte Eugenio Pacellis (1917-1929)', Schlagwort Nr. 22029, URL: www.pacelli-edition.de/Schlagwort/22029. Letzter Zugriff am: 08.12.2019.
Online seit 18.09.2015, letzte Änderung am 29.01.2018
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