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Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands (USPD) in Bayern

Die Entstehung der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USPD) war Folge innerparteilicher Auseinandersetzungen innerhalb der SPD während des Ersten Weltkriegs über die Burgfriedenspolitik und die Bewilligung der Kriegskredite.
Auch in Bayern spaltete sich die Sozialdemokratie im April 1917, jedoch fand die Gründung der USPD hier zunächst nur schwachen Widerhall. Lediglich in Franken traten einige wenige Orts- und Kreisvereine geschlossen zur USPD über. Josef Simon aus Hof war der einzige bayerische Landtags- und zugleich Reichstagsabgeordnete der neuen Partei.
Der Aufbau der neuen Parteiorganisation gestaltete sich schwierig. Erfolge konnten dabei am ehesten in den industriellen Ballungsräumen und Großstädten namentlich in München und Nürnberg-Fürth, im oberfränkischen Industrierevier um Hof, Naila und Selb und in Ludwigshafen verbucht werden. Von einer ganz Bayern umfassenden Parteiorganisation war man aber noch weit entfernt.
Trotz dieser organisatorischen Schwäche gelang es den Aktivisten der USPD im Januar 1918, einen großen reichsweiten Streik der Rüstungsarbeiter gegen die Fortsetzung des Krieges zu organisieren. In Bayern gelang dies vor allem in München, Nürnberg, Fürth, Schweinfurt und Ludwigshafen. In der Landeshauptstadt konnte der Streik erst mit der Verhaftung Kurt Eisners und seiner Mitstreiter beendet werden.
Auch als am 7. und 8. November 1918 die bayerische Monarchie gestürzt wurde, waren Mitglieder der USPD maßgeblich beteiligt. In der daraufhin gebildeten Revolutionsregierung wurde Kurt Eisner erster Ministerpräsident Bayerns.
Bei den ersten Landtagswahlen am 12. Januar 1919 (in der Pfalz am 2. Februar) erreichte die USPD jedoch lediglich 2,5 Prozent der Stimmen. Dies resultierte einerseits aus der organisatorischen Schwäche der Partei, andererseits hatte sich mit dem Kriegsende ihre populärste Forderung verwirklicht. Auch bei der Wahl zur Verfassunggebenden Nationalversammlung am 19. Januar 1919 konnte sie nur 3,7 Prozent der bayerischen Stimmen erringen.
Dieses Wahlergebnis entzog der Regierung Eisner die Machtgrundlage. Dazu spitzte sich der Gegensatz zu den Positionen der MSPD weiter zu – insbesondere bei der Diskussion um die Rolle der Räte im neuen parlamentarischen System.
Die Ermordung Eisners am 21. Februar 1919 verschärfte die Situation noch einmal und sorgte für einen deutlichen Linksruck in der USPD. Sie wurde zunehmend antiparlamentarisch und propagierte ein sozialistisches Bayern. Zwar war die USPD zunächst noch in der Regierung Hoffmann I vertreten, gleichzeitig aber waren führende Mitglieder an der Ausrufung der Räte-Republik am 7. April 1919 beteiligt.
Nach der Niederschlagung der Räte-Republik Anfang Mai 1919 engagierte sich die USPD im Landtag als Oppositionspartei vor allem gegen die nationalistische Rechte. Darüber hinaus war sie maßgeblich an den Streitaktionen beteiligt, die zum Scheitern des Kapp-Putsches im März 1920 führten. Aufgrund dieses Engagements fiel der USPD-Politiker Karl Gareis am 9. Juni 1921 in München einem rechtsradikalen Mordanschlag zum Opfer.
Der seit ihrer Gründung in der USPD bestehende und nie ganz bewältigte Gegensatz zwischen pazifistisch-gemäßigten und radikalen Linken kam 1920 offen zum Ausbruch anhand der Frage, ob die Partei der Kommunistischen Internationale beitreten solle. Im Zuge dieser Auseinandersetzung ging der linke Flügel zur KPD über. Die Gemäßigten konnten sich noch zwei Jahre halten, vereinigten sich dann 1922 in Nürnberg mit der MSPD. Die Rest-USPD versank in der Folgezeit in der Bedeutungslosigkeit.
Literatur
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Empfohlene Zitierweise
Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands (USPD) in Bayern, in: 'Kritische Online-Edition der Nuntiaturberichte Eugenio Pacellis (1917-1929)', Schlagwort Nr. 23016, URL: www.pacelli-edition.de/Schlagwort/23016. Letzter Zugriff am: 28.01.2020.
Online seit 04.06.2012, letzte Änderung am 25.03.2013
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