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Deutsch-Hannoversche Partei (DHP oder Welfen)

Die Deutsch-Hannoversche Partei (DHP oder Welfen) vertrat die Interessen des ehemaligen Königreichs Hannover, nachdem dieses 1866 von Preußen annektiert worden war. Unterstützung fand die DHP als regionale Splitterpartei im Adel, bei den Bauern und in der städtischen Mittelschicht des ehemaligen Königreichs. Sie setzte sich die Restauration der welfischen Dynastie zum Ziel, weshalb sie auch "Welfen-Partei" oder "Welfen" genannt wurde. Trotz ihrer protestantischen Prägung arbeitete die DHP zeitweise eng mit der Zentrumspartei Ludwig Windthorsts zusammen.
Nach anfänglichen großen Erfolgen erlebte die Partei nach der Aussöhnung der Welfen mit den Hohenzollern am Ende des Kaiserreichs einen zusehenden Niedergang. Bei der Reichstagswahl am 12. Januar 1912 erlangte die DHP nur noch 0,7 Prozent der Stimmen und erhielt 5 Mandate.
Die DHP lehnte die Novemberrevolution zwar ab, sah den politischen Umbruch jedoch als Möglichkeit, Hannover zu restituieren. Aus Angst vor der Abschaffung von Bekenntnisschule und Religionsunterricht sowie vor einer radikalen Trennung von Kirche und Staat kam es erneut zu einem Bündnis mit der Zentrumspartei, das jedoch bald am Separatismus der DHP zerbrach. Die Welfen-Partei konnte einen Sitz in der Weimarer Nationalversammlung gewinnen. Zwar waren große Teile ihrer Anhängerschaft monarchistisch eingestellt, dennoch erkannte die Partei die republikanische Staatsform im Sinne des Staatswohls an.
In 1920er Jahren war die DHP mit jeweils drei bis fünf Abgeordneten im Reichstag vertreten und arbeitete in fraktionsähnlichen Arbeitsgemeinschaften und Wahlbündnissen mit anderen Kleinparteien zusammen.
Die bedeutendste politische Aktion der DHP war der Versuch, die Selbstständigkeit Hannovers auf dem Weg einer Volksabstimmung durchzusetzen. Eine Vorabstimmung konnte aufgrund der Instabilität der Weimarer Republik aber erst 1924 durchgeführt werden. Dabei votierten jedoch nur 25,5 Prozent der Wahlberechtigten für die Durchführung einer Hauptabstimmung.
Nach dieser Niederlage gab es keine ernsthaften Versuche mehr, eine Volksabstimmung herbeizuführen. Vielmehr kam es zum Niedergang der DHP, die in den 1930er Jahren zusehend von der NSDAP verdrängt wurde. Sie löste sich 1933 schließlich selbst auf.
Literatur
ASCHOFF, Hans-Georg, Die Deutschhannoversche Partei zwischen Revolution und Machtergreifung (1918-1933), in: Stader Jahrbuch NF 78 (1988), S. 61-87.
FALTER, Jürgen / LINDENBERGER, Thomas / SCHUMANN, Siegfried, Wahlen und Abstimmungen in der Weimarer Republik. Materialien zum Wahlverhalten. 1919-1933, München 1986, S. 39-45.
LEICHT, Johannes, Deutsch-Hannoversche Partei (DHP), in: www.dhm.de (Letzter Zugriff am: 21.09.2009).
REIBEL, Carl Wilhelm, Handbuch der Reichstagswahlen 1890-1918, 2 Bde. (Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien 15), Düsseldorf 2007.
Reichstagswahl 12.01.1912, in: www.dhm.de (Letzter Zugriff am: 13.05.2009).
RITTER, Gerhard Albert, Wahlgeschichtliches Arbeitsbuch. Materialien zur Statistik des Kaiserreichs 1871-1918 (Statistische Arbeitsbücher zur neueren deutschen Geschichte), München 1980, S. 42, in: germanhistorydocs.ghi-dc.org (Letzter Zugriff am: 13.05.2009).
SCHRÖDER, Valentin, Wahlen in Deutschland bis 1918. Reichstagswahlen. Ergebnisse reichsweit, in: www.wahlen-in-deutschland.de (Letzter Zugriff am: 13.05.2009).
Empfohlene Zitierweise
Deutsch-Hannoversche Partei (DHP oder Welfen), in: 'Kritische Online-Edition der Nuntiaturberichte Eugenio Pacellis (1917-1929)', Schlagwort Nr. 25019, URL: www.pacelli-edition.de/Schlagwort/25019. Letzter Zugriff am: 18.10.2019.
Online seit 24.03.2010, letzte Änderung am 25.03.2013
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