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Deutscher Lehrerverein

Der Deutscher Lehrerverein (DLV) wurde 1871 in Berlin gegründet. Er sah sich in der Tradition des Allgemeinen Deutschen Lehrervereins, der seinerseits auf die Lehrerbewegung von 1848 zurückging. Der DLV stieg kontinuierlich zum größten Interessenverband der deutschen Volksschullehrer auf. 1914 hatte er 131.748 Mitglieder, was etwa drei Vierteln der männlichen Volksschullehrer entsprach. Auch viele Lehrerinnen gehörten dem DLV an. Dies blieb auch in der Weimarer Republik so. Ende 1927 hatte der DLV 154.112 Mitglieder.
Der DLV beschäftigte sich mit pädagogischen Fragen, setzte sich für den Ausbau wirtschaftlicher Selbsthilfeeinrichtungen ein und vertrat die beruflichen und sozialen Interessen der Volksschullehrer. So forderte er die Aufhebung der geistlichen Schulaufsicht und die Stellung als unmittelbare Staatsbeamte für die Volksschullehrer. Dabei war jedoch die Einheit des Lehrerstandes über den Kreis der Volksschullehrer hinaus erklärtes Ziel des DLV, was impliziert die Forderung nach dem Hochschulstudium für Volksschullehrer beinhaltete.
Der DLV hatte im gesamten Reich Landesvereine, die in organisatorischer Hinsicht völlig selbstständig waren. Oberstes Organ war die alle zwei Jahre stattfindende Vertreterversammlung. Ein Geschäftsführender Ausschuss übernahm die eigentliche Leitung. Dieser wurde bis 1920 vom jeweiligen Vorort des DLV selbstständig gebildet. Die Vertreterversammlung bestimmte lediglich den Vorort, wobei dieser stets Berlin war, so dass die Leitung des DLV praktisch beim Berliner Lehrerverein lag. Zentralorgan des Vereins war die "Pädagogische Zeitung", welche seit 1919 den Titel "Allgemeine Deutsche Lehrerzeitung" trug. Nach der Novemberrevolution traten zunächst die Landesverbände dem neugegründeten Deutschen Beamtenbund (DBB) bei, 1922 schließlich auch der Reichsverbandes. Das Verhältnis zum DBB war jedoch nicht frei von Spannungen. Insbesondere mit der mittleren Beamtenschaft kam es zu Auseinandersetzung über Besoldungsfragen.
Politisch stand der DLV den Sozialdemokraten, vor allem aber der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) nahe. Als Gegner wurden die Deutschnationale Volkspartei (DNVP), die Deutsche Volkspartei (DVP) und die Zentrumspartei angesehen. Hinsichtlich ihrer gesellschaftlichen Stellung sahen sich die meisten Mitglieder als zwischen Bürgertum und Arbeiterschaft stehend an.
Nach anfänglichen schulpolitischen Erfolgen z.B. bei der reichsweiten Aufhebung der geistlichen Schulaufsicht oder auf den Gebiet der Besoldung konnten viele Forderungen des DLV wie die nach der Einführung der Einheitsschule, nach einem einheitlichen Lehrerstand und nach seiner vollen Emanzipation aus dem kirchlich-religiösen Bereich in der Weimarer Republik nur unvollständig durchgesetzt werden. Die Enttäuschung darüber begünstigte eine rasche Hinwendung des DLV und seiner Mitglieder zum aufsteigenden Nationalsozialismus. 1933 ging der DLV im Nationalsozialistischen Lehrerbund (NSLB) auf.
Literatur
BÖLLING, Rainer, Volksschullehrer und Politik. Der Deutsche Lehrerverein 1918-1933 (Kritische Studien zu Geschichtswissenschaft 32), Göttingen 1978.
Empfohlene Zitierweise
Deutscher Lehrerverein, in: 'Kritische Online-Edition der Nuntiaturberichte Eugenio Pacellis (1917-1929)', Schlagwort Nr. 270, URL: www.pacelli-edition.de/Schlagwort/270. Letzter Zugriff am: 20.10.2020.
Online seit 14.05.2013, letzte Änderung am 10.03.2014
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