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Diplomatische Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und Frankreich

Nachdem Ludwig XIV. 1685 das Edikt von Nantes widerrufen hatte, war die katholische Kirche bis 1789 die einzige Religionsgemeinschaft in Frankreich, die volle staatliche Anerkennung besaß, und damit Staatsreligion. Dies endete am 26. August 1789, als die Französische Revolution in der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte die Religions- und Gewissensfreiheit ausrief, was zur Entkonfessionalisierung des Staates und damit zum Ende des Staatskirchentums in Frankreich führte. Nach der Machtübernahme Napoleons I. Bonaparte endete die aktive Bekämpfung der katholischen Kirche und am 15. Juli 1801 wurde ein Konkordat mit dem Heiligen Stuhl geschlossen, das 1802 staatlicherseits unilateral durch "organische Artikel" erweitert wurde, mit dem Ziel, die Kirche dem Staat zu unterwerfen. Zwar wurden die Artikel von Papst Pius VII. nicht anerkannt, der Staat setzte sie dennoch um. In der Folgezeit entspannte sich das Verhältnis zwischen Frankreich um dem Heiligen Stuhl allerdings wieder.
Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts kam es erneut zu deutlichen Verwerfungen, die am 30. Juli 1904 zum Bruch Frankreichs mit dem Heiligen Stuhl und zur Vakanz der Pariser Nuntiatur führten. Der Konflikt gipfelte im Gesetz zur Trennung von Kirche und Staat ("Loi relative à la séparation des Eglises et de l'Etat") vom 9. Dezember 1905. In diesem Gesetz wurden die staatliche Anerkennung aller Kirchen und die finanzielle Zuwendung durch den Staat beendet, das Konkordat von 1801 wurde aufgekündigt. Nun musste alles kirchliche Wirken in der Öffentlichkeit, darunter auch Gottesdienste, angemeldet und genehmigt werden. Religiöses Leben sollte vollständig aus dem öffentlichen in den privaten Bereich verschoben werden, allerdings sollte das interne Recht einer Religion, sofern sie nicht in die Öffentlichkeit trat, respektiert werden. Pius X. verurteilte in seiner Enzyklika "Vehementer nos" vom 11. Februar 1906 das Trennungsgesetz als unvereinbar mit dem Selbstverständnis der katholischen Kirche, vor allem die Einmischung des Staates in rein kirchliche Angelegenheiten und die Verletzung der Hierarchie lehnt er ab. Die Nichtanerkennung des Gesetzes seitens des Heiligen Stuhles führte de facto zur Illegalität der katholischen Kirche in Frankreich. Am 2. Januar 1907 wurde das Trennungsgesetz dahingehend abgeändert, dass alles kirchliche Eigentum, mit Ausnahme der Kultgebäude, an den Staat fiel, der es jedoch der Kirche kostenlos zur Verfügung stellte. Pius X. lehnte diese Änderungsbestimmungen in der Enzyklika "Une fois encore" vom 6. Januar 1907 ab, was dazu führte, dass das Trennungsgesetz am 28. März 1907 erneut abgemildert und unter anderem dahingehend modifiziert wurde, dass die katholische Kirche Gottesdienste ohne Anmeldung abhalten durfte. Dadurch konnte sie in ihren religiösen Handlungen aus dem illegalen Rechtszustand heraustreten.
Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs, während welchem Frankreich und der Heilige Stuhl offiziell nicht miteinander in Kontakt treten konnten, strebten beide Seiten danach, die diplomatischen Beziehungen wieder aufleben zu lassen. Der Heilige Stuhl wollte aus seiner diplomatischen Isolierung – er hatte nicht an den Pariser Friedensverhandlungen teilnehmen dürfen – heraustreten und sandte im Mai 1921 mit Bonaventura Cerretti einen neuen Nuntius nach Paris, wodurch die diplomatischen Beziehungen wieder aufgenommen wurden. Am 24. Mai 1926 folgte Luigi Maglione auf Cerretti als Nuntius in Paris. Französische Botschafter beim Heiligen Stuhl waren Charles Jonnart (1921-1923), Giovanni Doulcet (1923-1928) und Viscanote Antonio Giuseppe Luigi Gabriele de Fontenay (1928-1931).
Quellen
Enzyklika "Une fois encore" vom 6. Januar 1907, in: www.vatican.va (Letzter Zugriff am: 03.12.2013) [franzöischer Text].
Enzyklika "Vehementer nos" vom 11. Februar 1906, in: www.vatican.va (Letzter Zugriff am: 03.12.2013) [franzöischer Text].
Loi du 9 Dècembre 1905, Loi concernant la séparation des Eglises et de l'Etat (Auszug), in: WICK, Volker, die Trennung von Staat und Kirche. Jüngere Entwicklungen in Frankreich im Vergleich zum deutschen Kooperationsmodell (Jus Ecclesiasticum B 81), Tübingen 2007, S. 226-240.
Literatur
ALLEMANG, Georg, Frankreich, in: Lexikon für Theologie und Kirche 4 (1932), Sp. 94-106, hier 98-102.
ARMANDO, Gianfranco, Die Nuntien in Paris. Bonaventura Cerretti, Luigi Maglione und Valerio Valeri, in: WOLF, Hubert (Hg.), Eugenio Pacelli als Nuntius in Deutschland. Forschungsperspektiven und Ansätze im internationalen Vergleich (Veröffentlichungen der Kommission für Zeitgeschichte B 121), Paderborn 2012, S. 145-152, hier 145 f.
DURAND, Jean-Paul, Das Französische Trennungsgesetz von 1905 und seine Folgen, in: Essener Gespräche zum Thema Staat und Kirche 40 (2007), S. 5-12.
SKALWEIT, Stephan, Französische Revolution (FR), in: Lexikon für Theologie und Kirche3 4 (1995), Sp. 58-60.
WICK, Volker, die Trennung von Staat und Kirche. Jüngere Entwicklungen in Frankreich im Vergleich zum deutschen Kooperationsmodell (Jus Ecclesiasticum B 81), Tübingen 2007, S. 29-35.
Empfohlene Zitierweise
Diplomatische Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und Frankreich, in: 'Kritische Online-Edition der Nuntiaturberichte Eugenio Pacellis (1917-1929)', Schlagwort Nr. 35, URL: www.pacelli-edition.de/Schlagwort/35. Letzter Zugriff am: 07.12.2019.
Online seit 14.01.2013, letzte Änderung am 10.03.2014
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