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Bayerischer Landtag, 1924-1928

Am 6. April 1924 fanden die Wahlen zum dritten bayerischen Landtag statt. In der Pfalz wurden sie am 4. Mai nachgeholt. Die Bayerische Volkspartei (BVP) siegte trotz herber Verluste mit 32,8 Prozent der Stimmen bzw. 46 Mandaten. Die Sozialdemokraten (SPD) konnten leichte Stimmenzuwächse für sich verbuchen und erreichten 17,2 Prozent bzw. 23 Mandate. Gleich nach ihnen folgte der erstmals antretende Völkische Block (VB) aus Nationalsozialistischer Deutscher Arbeiterpartei (NSDAP) und Deutschvölkischer Freiheitspartei (DVFP) mit 17,1 Prozent bzw. ebenfalls 23 Mandaten. Das deutschnationale Wahlbündnis "Vereinigte Nationale Rechte" erhielt 9,4 Prozent bzw. 11 Mandate, der linksliberale "Deutsche Block in Bayern" 3,2 Prozent bzw. 3 Mandate. Der Bayerische Bauernbund (BBB) kam auf 7,1 Prozent bzw. 10 Mandate. Die Kommunistische Partei (KPD) konnte ihren Stimmenanteil nach der Vereinigung mit den Unabhängigen Sozialdemokaten (USPD) fast verfünffachen und erhielt 8,3 Prozent der Stimmen bzw. 9 Mandate. Die Rest-USPD dagegen erhielt nur noch 0,1 Prozent und zog nicht mehr in den Landtag ein. Die restlichen Stimmen verteilten sich auf die Nationalliberale Landespartei in Bayern (NLLP) mit 1,0 Prozent, die Beamtengruppe Kratofiel (BGK) mit 0,8 Prozent, die Christlich-soziale Partei (Bayerisches Zentrum) (CSP) mit 0,7 Prozent und die Zentrumspartei in der Pfalz (ZPf) mit 1,2 Prozent – diese Parteien erhielten jeweils ein Mandat. Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) hatte ab September 1925 6 Mandate inne.
Die Landtagswahlen waren mit einer Volksabstimmung über Änderungen der bayerischen Verfassung verbunden, die auf die Initiative der BVP zurückging. Verfassungsänderungen und Volksabstimmungen sollten erleichtert, ein Staatspräsident und eine zweite Parlamentskammer eingeführt werden. Da nur 48 Prozent der Wähler diesen Änderungen zustimmten, scheiterte das Vorhaben. Als die BVP bei den Reichstagswahlen am 4. Mai noch größere Verluste hinnehmen musste, trat Ministerpräsident Eugen Ritter von Knilling am Folgetag zurück. Sein Nachfolger wurde am 28. Juni der BVP-Politiker Heinrich Held, der eine Koalition mit den Deutschnationalen und dem Bauernbund anführte.
Literatur
Der Landtag 1924-1928 (3. Wahlperiode), in: Haus der bayerischen Geschichte. Geschichte des Bayerischen Parlaments seit 1819, in: www.hdbg.de (Letzter Zugriff am: 06.07.2015).
FALTER, Jürgen / LINDENBERGER, Thomas / SCHUMANN, Siegfried, Wahlen und Abstimmungen in der Weimarer Republik. Materialien zum Wahlverhalten 1919-1933 (Statistische Arbeitsbücher zur neueren deutschen Geschichte), München 1986, S. 91.
HÜRTEN, Heinz, Kabinett Knilling, 1922-1924, in: www.historisches-lexikon-bayerns.de/ (Letzter Zugriff am: 22.12.2014).
HÜRTEN, Heinz, Revolution und Zeit der Weimarer Republik, in: SCHMID, Alois (Hg.), Handbuch der bayerischen Geschichte, Bd. 4: Das neue Bayern. Von 1800 bis zur Gegenwart, Teilbd. 1: Staat und Politik, München 22003, S. 439-498, hier 491 f.
Empfohlene Zitierweise
Bayerischer Landtag, 1924-1928, in: 'Kritische Online-Edition der Nuntiaturberichte Eugenio Pacellis (1917-1929)', Schlagwort Nr. 4064, URL: www.pacelli-edition.de/Schlagwort/4064. Letzter Zugriff am: 15.08.2020.
Online seit 18.09.2015, letzte Änderung am 25.02.2019
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