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Deutsche Demokratische Partei (DDP)

Die Deutsche Demokratische Partei (DDP) entstand am 20. November 1918 durch den Zusammenschluss aus Anhängern der Fortschrittlichen Volkspartei (FVP) und des liberalen Flügels der Nationalliberalen Partei (NLP). Ihre bedeutendsten Vertreter waren Theodor Wolff, Max Weber, Alfred Weber, Conrad Haussmann, Friedrich Naumann und Hugo Preuß. Die DDP grenzte sich mit ihrer linksliberal bürgerlichen Ausrichtung von der Annexionspolitik der Nationalliberalen ab. Der nationale Flügel der Nationalliberalen schloss sich unter Gustav Stresemann nicht der DDP an, sondern gründete die Deutschen Volkspartei (DVP).
Bei den Wahlen zur deutschen Verfassunggebenden Nationalversammlung konnte die DDP 18,5 Prozent der Stimmen auf sich vereinen. Sie bildete gemeinsam mit der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) und der Deutschen Zentrumspartei die "Weimarer Koalition". Da die DDP zwischen den anderen beiden Parteien vermittelte, trug sie zur Stabilisierung der Republik im Reich und in Preußen bei. Die DDP identifizierte sich mit der parlamentarischen Demokratie der Weimarer Republik und trug entscheidend zur Gestaltung der Weimarer Reichsverfassung bei. Sie stellte eine Vielzahl von Beamten, die der Republik loyal gegenüber standen.
Die DDP setzte sich für den föderalen Einheitsstaat ein und stand für das Prinzip der Privatwirtschaft. Durch die Kooperation mit der SPD versuchte sie die sozial- und wirtschaftspolitischen Vorstellungen von Arbeiterschaft und Bürgertum in Einklang zu bringen. Außenpolitisch forderte die DDP wie alle Parteien in der Weimarer Republik die Revision des Versailler VertragS. Sie bekannte sich zum Völkerbund, der die Staaten zu einem friedlichen Interessenausgleich führen sollte.
Die DDP war mit Ausnahme des Wahljahres 1927/28 an allen Reichsregierungen bis 1932 beteiligt. Allerdings fiel ihr Stimmenanteil bereits bei den Reichstagswahlen vom 6. Juni 1920 auf 8,5 Prozent. Aufgrund ihrer mangelnden industriell orientierten Ausrichtung schlossen sich bis 1927 ca. 80 Prozent der Parteimitglieder der konkurrierenden DVP an. In Folge sanken die Wählerstimmen bei den Reichstagswahlen 1924 und 1928 auf 5,7 Prozent, 8,3 Prozent und 4,8 Prozent.
Als Reaktion auf die Abwanderung von Parteimitgliedern und Wählern schloss sich die Mehrheit der DDP im Juli 1930 mit einigen Splittergruppen wie dem "Jungdeutschen Orden" und der "Volksnationalen Reichsvereinigung" zur "Deutschen Staatspartei" (DStP) zusammen. Bei den Reichstagswahlen konnte sie 3,8 Prozent erreichen. Der linke Parteiflügel unter Ludwig Quidde gründete die "Radikaldemokratische Partei". Nach Wahlergebnissen von einem Prozent und weniger bei den Reichstagswahlen 1932 und 1933 löste sich die DStP am 28. Juli 1933 auf nationalsozialistischen Druck hin auf.

Beteiligung an der Reichsregierung 1919-1932:
Kabinett Ministerposten
Scheidemann
(13. Februar 1919 bis 20. Juni 1919)
Inneres (Hugo Preuß), Finanzen (Eugen Schiffer), Schatzamt (Georg Gothein)
Bauer
(21. Juni 1919 bis 27. März 1920)
Vizekanzler und Justiz (Eugen Schiffer), Inneres (Erich Koch-Weser)
Müller
(27. März 1920 bis 21. Juni 1920)
Vizekanzler und Inneres (Erich Koch-Weser), Justiz (Andreas Blunk), Reichswehr (Otto Geßler)
Fehrenbach
(25. Juni 1920 bis 4. Mai 1921)
Inneres (Erich Koch-Weser), Reichswehr (Otto Geßler)
Wirth I
(10. Mai 1921 bis 25. Oktober 1921):
Reichswehr (Otto Geßler), Justiz (Eugen Schiffer), Wiederaufbau (Walter Rathenau)
Wirth II
(26. Oktober 1921 bis 22. November 1922)
Auswärtiges Amt (Walter Rathenau), Reichswehr (Otto Geßler)
Cuno
(22. November 1922 bis 12. August 1923)
Inneres (Rudolf Oeser), Reichswehr (Otto Geßler)
Stresemann I
(13. August 1923 bis 6. Oktober 1923)
Reichswehr (Otto Geßler)
Stresemann II
(6. Oktober 1923 bis 30. November 1923)
Reichswehr (Otto Geßler), Verkehr (Rudolf Oeser)
Marx I
(30. November 1923 bis 26. Mai 1924)
Wirtschaft (Eduard Hamm), Reichswehr (Otto Geßler), Verkehr (Rudolf Oeser)
Marx II
(27. Mai 1924 bis 15. Januar 1925)
Wirtschaft (E. Hamm), Reichswehr (Otto Geßler), Verkehr (Rudolf Oeser)
Luther I
(16. Januar 1925 bis 20. Januar 1926)
Inneres ab November 1925 und Reichswehr (Otto Geßler)
Luther II
(20. Januar 1926 bis 18. Mai 1926)
Vizekanzler und Reichswehr (Otto Geßler), Inneres (Wilhelm Külz), Finanzen (P. Reinhold)
Marx III
(18. Mai 1926 bis 1. Februar 1927)
Reichswehr (Otto Geßler), Inneres (Wilhelm Külz), Finanzen (Peter Reinhold)
Marx IV
(1. Februar 1927 bis 28. Juni 1928)
Reichswehr (Otto Geßler)
Müller II
(28. Juni 1928 bis 27. März 1930)
Justiz (Erich Koch-Weser), Ernährung (Hermann Dietrich)
Brüning I
(31. März 1930 bis 9. Oktober 1931)
Vizekanzler und Wirtschaft (Hermann Dietrich)
Brüning II
(10. Oktober 1931 bis 1. Juni 1932)
Vizekanzler und Finanzen (Hermann Dietrich)
Quellen
WEGNER, Konstanze / ALBERTIN, Lothar (Bearb.), Linksliberalismus in der Weimarer Republik. Die Führungsgremien der Deutschen Demokratischen Partei und der Deutschen Staatspartei 1918-1933 (Quellen zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien III 5), Düsseldorf 1980.
Literatur
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ZENZ, Helmut, Deutsche Demokratische Partei (DDP). Die Deutsche Demokratische Partei (DDP) zwischen Linksliberalismus (radikal-liberal) und Rechtsliberalismus (liberal-konservativ), zwischen Sozialliberalismus, Nationalliberalismus und Universalliberalismus, in: www.helmut-zenz.de (Letzter Zugriff am: 12.07.2010).
Empfohlene Zitierweise
Deutsche Demokratische Partei (DDP), in: 'Kritische Online-Edition der Nuntiaturberichte Eugenio Pacellis (1917-1929)', Schlagwort Nr. 4084, URL: www.pacelli-edition.de/Schlagwort/4084. Letzter Zugriff am: 28.01.2020.
Online seit 02.03.2011
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