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Februarrevolution Russland

Russland stand zu Beginn des 20. Jahrhunderts in einer tiefgreifenden wirtschaftlichen und sozialen Krise, die durch den Ersten Weltkrieg weiter verschärft wurde. Das Volk hungerte, die militärische Niederlage gegen die Mittelmächte schien unausweichlich. Im Januar 1917 kam es vor allem in Moskau und St. Petersburg zu Arbeiteraufständen und Meutereien. Die bürgerlichen Parteien in der Duma planten, ihre parlamentarische Arbeit fortzusetzen, sollte Zar Nikolaus II. das Parlament wie erwartet bald auflösen. Nach Hungerprotesten in St. Petersburg am 23. Februar – dem 8. März nach gregorianischem Kalender – weitete sich der Streik auf bis zu 240.000 Menschen am 25. Februar – dem 10. März nach gregorianischem Kalender – auS. Am folgenden Tag löste Nikolaus II. das Parlament auf und erteilte den Schießbefehl gegen die Aufständischen. Die Soldaten verweigerten jedoch den Gehorsam. Vier Tage später dankte Zar Nikolaus II. ab, nachdem sein Bruder die Übernahme der Krone verweigert hatte. Das Russische Reich brach zusammen, Nikolaus II. wurde verhaftet und mit seiner Familie nach Sibirien verbannt.
Es herrschte fortan ein Nebeneinander von Parlament (Duma) mit einer liberal-bürgerlichen "Provisorischen Regierung" unter dem Ministerpräsidenten Fürst Geórgij Jewgénjewitsch Lwow, die bis zur Wahl einer Verfassunggebenden Nationalversammlung im Amt bleiben sollte, auf der einen und den Arbeiter- und Soldatenräten mit ihren Exekutivkomitees auf der anderen Seite. Zwar hatte der gemeinsame Gegner die bürgerliche Opposition ("Oktobristen" und "Kadetten") und die sozialrevolutionäre Opposition ("Agrarsozialisten") vorübergehend geeint, doch verschlimmerten sich die herrschenden Probleme (Nahrungsmittelversorgung, Agrarreform, Arbeiterfrage, Kriegs-, bzw. Friedensfrage) in der Umbruchsphase weiter. Am 8. Mai musste die Provisorische Regierung unter Ministerpräsident Fürst Lwow nach heftigen Auseinandersetzungen in der Friedensfrage umgebildet werden.
Nach der gescheiterten russischen Brussilow-Offensive im Juli kam es zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen den Sozialrevolutionären und der Provisorischen Regierung, die daraufhin erneut umgebildet werden musste. Neuer Ministerpräsident wurde am 21. Juli Alexander Feódorowitsch Kérenskij. Ende August konnte die Provisorische Regierung den "Kornilov-Putsch" der Rechten nur mit Hilfe der Bolschewisten niederschlagen, was zu deren Rehabilitierung führte.
Literatur
ALTRICHTER, Helmut (Hg.), Die Sowjetunion. Von der Oktoberrevolution bis zu Stalins Tod, Bd. 1, München 1986.
HAUMANN, Heiko (Hg.), Die Russische Revolution 1917, Köln u. a. 2007.
HILDERMEIER, Manfred, Die Sowjetunion 1917-1991 (Oldenbourg Grundriss der Geschichte 31), München 22007, S. 109-111.
Empfohlene Zitierweise
Februarrevolution Russland, in: 'Kritische Online-Edition der Nuntiaturberichte Eugenio Pacellis (1917-1929)', Schlagwort Nr. 6032, URL: www.pacelli-edition.de/Schlagwort/6032. Letzter Zugriff am: 31.10.2020.
Online seit 24.03.2010, letzte Änderung am 01.12.2010
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