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Friedensbemühungen Kaiser Karls I. und des Heiligen Stuhls

Nach dem Scheitern der Friedensinitiative vom Sommer 1917 war der Heilige Stuhl in den ersten Monaten des Jahres 1918 in Friedensbemühungen des katholischen österreichisch-ungarischen Kaisers Karl I. involviert. Karl versuchte zum einen über den Heiligen Stuhl in Verhandlungen mit Italien zu treten und nahm zum anderen Kontakt mit England, Frankreich und den USA auf. Als Vertrauenspersonen des Kaisers dienten dabei unter anderem sein Beichtvater, der Kapuzinerpater Cölestin Schwaighöfer, und Pacelli.
Am 23. Dezember 1917 schrieb Karl Benedikt XV. und bat ihn, Pacelli für Friedensverhandlungen mit Italien einsetzen zu dürfen. Gleichzeitig sollten die Mittelmächte ihre Kriegsziele und Friedensbedingungen dem Papst mitteilen. Schwaighöfer, dem die Friedensbedingungen Bulgariens bereits bekannt waren, reiste am 5. Januar 1918 im Auftrag Karls nach Berlin, um die Bedingungen Deutschlands bei Reichskanzler Georg von Hertling zu sondieren. Hertling wollte vor einer Antwort erst mit Wilhelm II. Rücksprache halten und diese Benedikt wohl mündlich durch Pacelli mitteilen.
Benedikt schrieb Karl am 28. Februar 1918, dass er Pacelli erlaube, die österreichisch-ungarischen Friedensvorschläge an Italien persönlich zu überbringen. Pacelli reiste im März 1918 (Dokument Nr. 1616) demnach nicht nach Rom, weil seine Mutter erkrankt war. Vielmehr diente die Krankheit als Vorwand dafür, dass Pacelli München verlassen konnte, um in den Friedensverhandlungen zu sondieren (Dokument Nr. 1613) und die österreichisch-ungarischen und wohl auch die deutschen Friedensbedingungen zu übermitteln. Pacelli reiste am 10. März 1918 von München ab (Dokument Nr. 860) und kehrte am 8. April 1918 wieder dorthin zurück (Dokument Nr. 3446).
Friedensverhandlungen kamen durch diese Vermittlungsversuche des Heiligen Stuhls und Pacellis allerdings nicht zustande.
Quellen
Bericht Cölestin Schwaighofers von Deggendorf OFM Cap. an Kaiser und König Karl vom 5. Januar 1918, in: KOVÁCS, Elisabeth (Hg.), Untergang oder Rettung der Donaumonarchie?, Bd. 2: Politische Dokumente zu Kaiser und König Karl I. (IV.) aus internationalen Archiven (Veröffentlichungen der Kommission für Neuere Geschichte Österreichs 100,2), Wien / Köln / Weimar 2004, Nr. 74, S. 277-283.
Cölestin Schwaighofer von Deggendorf OFM Cap. an den deutschen Reichskanzler Georg Friedrich Graf Hertling vom 6. Januar 1918, in: KOVÁCS, Elisabeth (Hg.), Untergang oder Rettung der Donaumonarchie?, Bd. 2: Politische Dokumente zu Kaiser und König Karl I. (IV.) aus internationalen Archiven (Veröffentlichungen der Kommission für Neuere Geschichte Österreichs 100,2), Wien / Köln / Weimar 2004, Nr. 283 f.
Kaiser und König Karl an Papst Benedikt XV. vom [Februar/März 1918], in: KOVÁCS, Elisabeth (Hg.), Untergang oder Rettung der Donaumonarchie?, Bd. 2: Politische Dokumente zu Kaiser und König Karl I. (IV.) aus internationalen Archiven (Veröffentlichungen der Kommission für Neuere Geschichte Österreichs 100,2), Wien / Köln / Weimar 2004, Nr. 85, S. 311-313.
Kaiser und König Karl I. an Papst Benedikt XV. vom 23. Dezember 1917; Schlagwort Nr. 19026; auch KOVÁCS, Elisabeth (Hg.), Untergang oder Rettung der Donaumonarchie?, Bd. 2: Politische Dokumente zu Kaiser und König Karl I. (IV.) aus internationalen Archiven (Veröffentlichungen der Kommission für Neuere Geschichte Österreichs 100,2), Wien / Köln / Weimar 2004, Nr. 70, S. 270 f.
Papst Benedikt XV. an Kaiser und König Karl vom 28. Februar 1918, in: KOVÁCS, Elisabeth (Hg.), Untergang oder Rettung der Donaumonarchie?, Bd. 2: Politische Dokumente zu Kaiser und König Karl I. (IV.) aus internationalen Archiven (Veröffentlichungen der Kommission für Neuere Geschichte Österreichs 100,2), Wien / Köln / Weimar 2004, Nr. 84, S. 309 f.
Papst Benedikt XV. an Kaiser und König Karl vom 7. Januar 1918, in: KOVÁCS, Elisabeth (Hg.), Untergang oder Rettung der Donaumonarchie?, Bd. 2: Politische Dokumente zu Kaiser und König Karl I. (IV.) aus internationalen Archiven (Veröffentlichungen der Kommission für Neuere Geschichte Österreichs 100,2), Wien / Köln / Weimar 2004, Nr. 73, S. 277.
Literatur
BROUCEK, Peter, Karl I. (IV.). Der politische Weg des letzten Herrschers der Donaumonarchie, Wien / Köln / Weimar 1997, S. 144 f.
CHENAUX, Philippe, Pie XII. Dilpomate e pasteur (Histoire Biographie), Paris 2003, S. 119 f.
GOTTSMANN, Andreas, Die Wiener Nuntiatur und Kaiser Karl, in: DERS. (Hg.), Karl I. (IV.), der Erste Weltkrieg und das Ende der Donaumonarchie (Publikationen des Historischen Instituts beim österreichischen Kulturforum in Rom. Abhandlungen 14), Wien 2007, S. 93-118, hier 109.
KOVÁCS, Elisabeth, Untergang oder Rettung der Donaumonarchie?, Bd. 1: Die österreichische Frage. Kaiser und König Karl I. (IV.) und die Neuordnung Mitteleuropas (1916-1922) (Veröffentlichungen der Kommission für Neuere Geschichte Österreichs 100,1), Wien/Köln/Weimar 2004, S. 349 f.
Empfohlene Zitierweise
Friedensbemühungen Kaiser Karls I. und des Heiligen Stuhls, in: 'Kritische Online-Edition der Nuntiaturberichte Eugenio Pacellis (1917-1929)', Schlagwort Nr. 7051, URL: www.pacelli-edition.de/Schlagwort/7051. Letzter Zugriff am: 30.10.2020.
Online seit 02.03.2011, letzte Änderung am 16.12.2013
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