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Deutschnationale Volkspartei (DNVP), Reichskatholikenausschuss

Das Personal und die Anhängerschaft der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) war vor allem evangelischer Konfession. Doch auch für konservative Katholiken, vor allem aus dem schlesischen und westfälischen Adel, war die DNVP attraktiv. Sie sahen ihre Interessen durch die die Weimarer Republik tragende Zentrumspartei nicht mehr vertreten – die einigende Klammer "Katholizismus", die die unterschiedlichen sozialen und gesellschaftlichen Schichten innerhalb der Zentrumspartei seit ihrer Gründung verbunden hatte, hielt in der Weimarer Republik nicht mehr. Im August 1920 wurde der "Reichs-Ausschuss der Katholiken in der DNVP" mit dem Freiherrn von Landsberg, einem westfälischen Adligen, als Vorsitzenden gegründet. Er hatte das Ziel, eine überkonfessionelle christlich-konservative Volkspartei zu verwirklichen. Der Reichskatholikenausschuss war ein Dorn im Auge der Zentrumspartei und brachte die Uneinigkeit des Katholizismus in politischen Fragen deutlich zum Ausdruck.
Augenscheinlich wurde dies anlässlich der Reichspräsidentenwahl 1925, bei der sich der katholische Zentrumspolitiker Wilhelm Marx und der protestantische General Paul von Hindenburg gegenüberstanden. Marx wurde von den Sozialdemokraten unterstützt, Hindenburg von der DNVP. Landsberg schloss sich im Namen des Reichskatholikenausschusses einem Telegramm führender deutschnationaler Katholiken vom am 8. April 1925 an, in dem sie Hindenburg zu einer Kandidatur aufforderten. Schließlich konnte sich Hindenburg unter anderem mit den Stimmen des Reichskatholikenausschusses sowie der katholischen Bayerischen Volkspartei (BVP) gegen Marx durchsetzen.
Jedoch war auch das Verhältnis zwischen katholischen und protestantischen Deutschnationalen nicht spannungsfrei. Am Streit um die Position der DNVP zum Preußenkonkordat 1929, dem die DNVP ihre Zustimmung im preußischen Landtag verweigerte, zerbrach der Reichskatholikenausschuss letzten Endes.
In der Folge verließen zahlreiche bekannte Katholiken die DNVP. Einige wie Martin Spahn, denen ihre nationale Gesinnung wichtiger war als katholische Interessenpolitik, gründeten einen neuen Reichskatholikenausschuss, der nun aber den Führungsanspruch Alfred Hugenbergs anerkannte und unter dem maßgeblichen Einfluss des Parteiführers stand.
Literatur
CLEMENS, Gabriele, Martin Spahn und der Rechtskatholizismus in der Weimarer Republik (Veröffentlichungen der Kommission für Zeitgeschichte B 37), Mainz 1983, S. 176-181.
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OHNEZEIT, Maik, Zwischen "schärfster Opposition" und dem "Willen zur Macht". Die Deutsch-Nationale Volkspartei (DNVP) in der Weimarer Republik 1918-1928 (Beiträge zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien 158), Düsseldorf 2011, S. 117 f.
RUPPERT, Karsten, Interaktionen von politischem Katholizismus, Kirche und Vatikan während der Weimarer Republik, in: WOLF, Hubert (Hg.), Eugenio Pacelli als Nuntius in Deutschland. Forschungsperspektiven und Ansätze zu einem internationalen Vergleich (Veröffentlichungen der Kommission für Zeitgeschichte B 121), Paderborn u. a. 2012, S. 213-246, hier 233.
VOGEL, Wieland, Katholische Kirche und nationale Kampfverbände in der Weimarer Republik (Veröffentlichungen der Kommission für Zeitgeschichte B 48), Mainz 1989, S. 125, 141 f.
Empfohlene Zitierweise
Deutschnationale Volkspartei (DNVP), Reichskatholikenausschuss, in: 'Kritische Online-Edition der Nuntiaturberichte Eugenio Pacellis (1917-1929)', Schlagwort Nr. 8025, URL: www.pacelli-edition.de/Schlagwort/8025. Letzter Zugriff am: 15.09.2019.
Online seit 14.01.2013, letzte Änderung am 06.05.2019
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