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Monismus

Der Begriff "Monismus" bezeichnet eine philosophische Weltanschauung, die von einem einheitlichen Prinzip ausgeht, das alles Seiende hervorbringt und lenkt. Anders als im Monotheismus ist das grundlegende Prinzip jedoch ein Teil der kontingent existierenden Welt bzw. Natur. Dualistische oder pluralistische Erscheinungen in der Welt werden nicht negiert, vielmehr werden sie als vordergründiger Schein beschrieben, hinter dem letztlich doch das monistische Prinzip erkennbar wird.
Monistische Theorien finden sich bereits in antiker Zeit, etwa bei Platon bzw. Aristoteles oder auch in der indischen Philosophie. Gerade Ende des 19. Jahrhunderts erfuhr diese Auffassung der inneren Zusammenhänge der Welt einen erneuten Aufschwung in einer popularphilosophischen Strömung, die aufgrund naturwissenschaftlicher Erkenntnisse ein weltimmanentes, säkulares Erklärungsmodell propagierte. Demnach ließen sich alle Erscheinungen der Natur auch innerhalb der Natur erklären. Die transzendente Größe "Gott" wurde dabei vernachlässigt.
Der Begriff des Monismus ist zum ersten Mal beim Philosophen und Mathematiker Christian Wolff (1679-1754) belegt, der zwischen idealistischen und materialistischen Ausprägungen dieser philosophischen Theorie unterschied. Erstere nahmen ihm zufolge eine geistige Grundstruktur der Welt an, während letztere sich an den sinnlich erfahrbaren Dingen orientierten.
Die Grundannahme monistischer Auffassungen, dass die vielfältigen Erscheinungen der Welt auf einen Urgrund zurückzuführen seien, deckte sich mit dem monotheistischen Denken des christlichen Glaubens. Die Schlüsse jedoch, die die Monisten zogen, widersprachen der kirchlichen Lehre und wurden auf dem I. Vatikanischen Konzil feierlich verurteilt. Dagegen wurde auf dem Konzil die Lehre der "duplex ordo" formuliert. Demnach stehen die beiden Prinzipien Natur und göttliche Gnade nebeneinander und die Natur bedarf ihrem Wesen nach immer der göttlichen Gnade. Sie ist also nicht selbsterklärend, sondern muss immer vom Schöpfer her gedacht werden. Da sich die Frage nach monistischem Denken aus kirchlicher Sicht meist an der Verhältnisbestimmung von Natur und Gnade entzündete, wurde der Vorwurf des Monismus wie bei Pacelli auch meist mit dem Vorwurf des Naturalismus verbunden. Außerhalb des theologischen Kontexts wird der Begriff als Kampfbegriff der kirchlichen Polemik etwa gegen Sozialisten, Agnostiker, Pantheisten und Liberale verwendet.
Literatur
BAUR, Ludwig, Monismus, in: Lexikon für Theologie und Kirche 7 (1935), Sp. 276-281.
MEHLHAUSEN, Joachim / DUNKEL, Daniela, Monismus, in: Theologische Realenzyklopädie 23 (2000), S. 212-214.
OLLIG, Hans Ludwig, Monismus, in: Lexikon für Theologie und Kirche3 7 (1995), Sp. 412-413.
Empfohlene Zitierweise
Monismus, in: 'Kritische Online-Edition der Nuntiaturberichte Eugenio Pacellis (1917-1929)', Schlagwort Nr. 8041, URL: www.pacelli-edition.de/Schlagwort/8041. Letzter Zugriff am: 11.12.2019.
Online seit 14.05.2013, letzte Änderung am 24.10.2013
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