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Interalliierte Kommission für Oberschlesien

Nach den Bestimmungen des Versailler Vertrags übernahm Anfang Februar 1920 eine "Interalliierte Regierungs- und Abstimmungskommission für Oberschlesien" unter der Führung des französischen Generals Henri Le Rond die Verwaltung Oberschlesiens, um die Sicherheit bis zum Plebiszit, das am 20. März 1921 über die staatliche Zukunft Oberschlesiens entscheiden sollte, zu gewährleisten.
Da weder Großbritannien noch die USA ihre zugesagten Truppenkontingente für Oberschlesien bereitstellten, bildeten die 12.000 französischen Soldaten neben den 2.000 italienischen die alliierten Truppen. Nach der Machtübernahme der Interalliierten Kommission wurde Oberschlesien quasi vom Deutschen Reich abgetrennt und die Grenze abgeriegelt. Es wurden eigene Hoheitszeichen, Briefmarken und Pässe eingeführt. Die Grenze nach Polen blieb von dieser Abschottung weitestgehend unberührt. Die französisch dominierte Interalliierte Kommission neigte mit ihren Sympathien klar zur Polnischen Republik. Sie wollte Oberschlesien nach der Abstimmung Polen zugeschlagen sehen, was mit Blick auf das Industriegebiet und die dort liegenden Bodenschätze eine deutliche wirtschaftliche Schwächung des Deutschen Reichs zur Folge haben sollte. Aus diesem Grund versuchte die Interalliierte Kommission, den deutschen Einfluss im Plebiszitgebiet zu begrenzen.
Zwischen der Interalliierten Kommission und dem Breslauer Fürstbischof Adolf Kardinal Bertram kam es umgehend zu Spannungen: Bertram wollte nach Oberschlesien reisen, um seinen bischöflichen Pflichten (Firmungen und eine Kichenkonsekration) nachzukommen, doch die Interalliierten Kommission verweigerte ihm die Einreise, worüber es zu heftigen Spannungen kam.
Quellen
KIESEWETTER, Andreas (Hg.), Dokumente zur italienischen Politik in der oberschlesischen Frage 1919-1921 (Schlesische Forschungen 8), Würzburg 2001.
Literatur
BERTRAM-LIBAL, Gisela, Die britische Politik in der Oberschlesienfrage, in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 20 (1972), S. 105-132.
EICHNER, Karsten, Briten, Franzosen und Italiener in Oberschlesien 1920-1922. Die Interalliierte Regierungs- und Plebiszitkommission im Spiegel britischer Akten (Beihefte zum Jahrbuch der Schlesischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Breslau 13), St. Katharinen 2002., S. 39-43 et passim.
HINKEL, Sascha, Adolf Kardinal Bertram. Kirchenpolitik im Kaiserreich und in der Weimarer Republik (Veröffentlichungen der Kommission für Zeitgeschichte B 117), Paderborn u. a. 2010, S. 156-175 et passim.
HITZE, Guido, Carl Ulitzka (1873-1953) oder Oberschlesien zwischen den Weltkriegen (Forschungen und Quellen zur Zeitgeschichte 40), Düsseldorf 2002, S. 257-263 et passim.
KARSKI, Sigmund, Der Abstimmungskampf in Oberschlesien 1920-1921, in: Oberschlesisches Jahrbuch 12 (1996), S. 137-162.
Empfohlene Zitierweise
Interalliierte Kommission für Oberschlesien, in: 'Kritische Online-Edition der Nuntiaturberichte Eugenio Pacellis (1917-1929)', Schlagwort Nr. 9029, URL: www.pacelli-edition.de/Schlagwort/9029. Letzter Zugriff am: 22.11.2019.
Online seit 14.01.2013, letzte Änderung am 14.04.2014
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