Dokument-Nr. 54

Preußischer Episkopat: Die Bischöfe Preußens rufen zur Tat!, in: Germania, Nr. 598, 23. Dezember 1918
Oberhirtlicher Protest gegen den neuen Kulturkampf.
Die unterzeichneten Erzbischöfe und Bischöfe Preußens entbieten den Gläubigen ihrer Diözesen Gruß und Segen im Herrn.1
Geliebte Diözesanen!
In den Schreckensjahren des Krieges haben wir gemeinsam mit Euch die Not und Angst der Zeit, gemeinsam mit Euch den Kummer und die schwere Sorge des Herzens getragen. Was zur Linderung des Leidens in Heimat und Heer, was zur Stütze der Sittlichkeit und des Rechtes nützlich sein konnte, haben wir nach besten Kräften gefördert. Jetzt nahet der Friede. Aber die harte Not und die große Sorge will noch nicht sobald schwinden. Katholisches Volk!
Deine Bischöfe werden auch jetzt erst recht mit Dir zusammen stehen,
was immer auch kommen mag. Deine Bischöfe - dessen darfst Du sicher sein - werden mit Dir zusammenhalten, bis einmal wieder bessere Zeiten kommen.
Bessere Zeiten? Ach, Ihr wißt, wie gerade jetzt in kirchlicher Hinsicht für Euch und für uns ganz neue, schwere Kämpfe drohen. Wie das Wetterleuchten eines heraufziehenden Ungewitters wirkte vor einigen Tagen die Ankündigung der Trennung von Staat und Kirche durch einen Vertreter der augenblicklichen Regierung. Teure Diözesanen! Wir Bischöfe wollen keine feigen Mietlinge sein. Wir wollen nicht Verräter werden an Eurem Seelenheile und an unserer heiligsten Gewissenspflicht. Wir wissen auch, daß Ihr alle insgesamt, Millionen und Millionen preußischer Katholiken, Männer und Jünglinge und Frauen und Jungfrauen, daß Ihr alle mit uns eins seid in der festen und unbedingten Entschlossenheit, einem solchen Vorhaben den Riegel vorzuschieben. Und so erheben wir laut und feierlich vor aller Welt unsere Stimme und legen in Euer aller Namen, im Namen der gesamten Katholiken Preußens, die schärfste Verwahrung ein gegen den Plan, Kirche und Staat in Preußen von einander zu trennen. Wir Katholiken Preußens werden das
unter keinen Umständen und um keinen Preis zugeben und billigen.
Denn wir kennen die bittere und gottlose Rechtsverletzung, die die beabsichtigte Trennung von Kirche und Staat in sich schließt. Und wir kennen auch die schlimmen und schweren Gefahren, die sie im Gefolge hat.
Trennung von Staat und Kirche! Das ist ein inhaltschweres Wort. Die Gegner Christi und der Kirche wollen trennen, was von Gottes- und Rechtswegen zusammen gehört, wollen auseinanderschneiden, was miteinander und ineinander gewachsen ist. Der Staat als solcher soll keine Religion und keine Kirche mehr kennen, soll sich um Religion und Kirche nicht mehr kümmern. Die lebensvolle Verbindung, die zwischen unserem Volke und der Kirche seit vielen Jahrhunderten bestanden hat und besteht, soll jäh zerrissen und zerschnitten werden. Unser Land soll aufhören, als Staatswesen christlich zu sein.
Der Name Gottes soll aus der Oeffentlichkeit verschwinden.
Der Religionsspötter soll den Namen Gottes und unseres Heilandes ungestört lästern dürfen. Das Zeichen der Erlösung, das heilige Kreuz, von dessen Stamm uns Hilfe und Gnade im Leben und in der Sterbestunde zufließt, soll verbannt werden aus allen öffentlichen Gebäuden, aus den Schulen, von den öffentlichen Wegen. Die Kirche gilt dann dem Staate nicht höher als ein Privatverein, als etwa eine Gesellschaft, die sich um des Vergnügens willen gebildet hat. Der Schutz und die Unterstützung, die der Staat bislang der Kirche zuteil werden ließ, wird zurückgezogen. Der Staat hört auf, seine feierlich verbrieften Verpflichtungen zu erfüllen. Zu den Kosten des Gottesdienstes und der Kirchenbauten, zum Unterhalte der Geistlichen trägt er nichts mehr bei. Zur Einziehung der Kirchensteuern ist er nicht mehr behilflich. Die theologischen Lehrstühle an den Universitäten werden aufgehoben. Und merket wohl auf, geliebte Diözesanen, das allerschlimmste ist dieses:
aus den Schulen schwindet jegliche Religion.
Lehrer und Lehrerinnen werden für ihr hohes Amt vorbereitet ohne Religion und ohne Glaubensbekenntnis. Für das wichtige Erziehungs- und Unterrichtsfach gibt es im Schulplan keinen, gar keinen Platz mehr. Das Beispiel anderer Staaten zeigt uns, wie weit man schließlich die Trennung von Staat und Kirche treibt
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und auch bei uns zu treiben bereit sein wird. Da werden selbst die einzelnen Kirchengemeinden ihrer Rechte und ihres mühsam erworbenen und zusammengesparten Eigentums beraubt. Die frommen Stiftungen werden aufgehoben oder ihrem Zwecke entfremdet. Den Ordensgenossenschaften, die für das Gemeinwohl im Dienste der Armen, der Kranken, der Kinder in größter Selbstlosigkeit sich aufreiben, den uns an [sic] Herz gewachsenen Ordensgenossenschaften, den männlichen und den weiblichen Orden, nimmt man unbarmherzig das Vermögen und den Unterhalt. Urteilet selbst, geliebte Diözesanen, sind das nicht bittere gottlose Rechtsverletzungen? Katholisches Volk, wir rufen Dich feierlich zum Zeugen: Schreit ein solches Unrecht nicht wahrhaft zum Himmel auf?
Es ist ein Unrecht und Frevel gegen Gott den Herrn.
In der ergreifenden Abschiedsrede, da der göttliche Heiland für sich, für seine Jünger und für alle Gläubigen das hohepriesterliche Gebet sprach, in jener heiligen Stunde vor dem Beginn seines Leides gedenkt er des ewigen Lebens, das er allen Menschen verleihen möchte. "Darin aber besteht" - es sind die Worte Christi selbst, teure Diözesanen - "darin aber besteht das ewige Leben, daß sie erkennen Dich, den allein wahren Gott, und den Du gesandt hast, Jesus Christus." (Jo. 17,3). Dieses ewige Leben in der Erkenntnis Gottes des Vaters und seines eingeborenen Sohnes hat die Kirche durch die Apostel uns vermittelt. Dafür sind die Martyrer in den Tod gegangen. Seit den Tagen Konstantins ist das Kreuz das Zeichen höchster Ehre. Die barbarischen Völker beugten sich vor ihm und in diesem Zeichen des Kreuzes wurden sie gesittet in christlicher Bildung und Kultur. Aller Fortschritt in Wissenschaft und Kunst und Zivilisation, alle Werke fürsorgender Nächstenliebe sind mit dem geheiligten Namen Christi unzertrennlich vereinigt. Im Zeichen des Kreuzes Christi ist unser Volkswesen begründet und befestigt worden. Ein fluchwürdiges Unrecht, wenn unser Volk in einer Stunde der Verwirrung und Umwälzung von sich stoßen und zertrümmern wollte, was Jahrhunderte lang inmitten des Volkes und zu seinem Heile aufgerichtet stand: das Kreuz des Erlösers. Mit Gebet und Almosen begleitet unser Volk die Missionäre, die da hinausziehen, um die in der Finsternis und im Todesschatten sitzenden Völker für Christus und seine Kirche zu gewinnen: und jemals sollte unser Volk selbst Aergernis nehmen an Christi Namen und sich schämen seines heiligen Kreuzes? Geliebte Diözesanen! Mit der Frage der Trennung von Staat und Kirche wird unserem Volke, wie einstmals den Juden, unser Herr und Heiland vorgestellt: "Sehet da Euern König!" Wird es wagen, zu rufen: "Hinweg, hinweg mit ihm!" "Wir wollen nicht, daß er über uns herrsche?" (Joh. 19,14, 15; Lk. 19,14).
Die Trennung von Kirche und Staat ist ein Frevel gegen Gott den Herrn, sie ist auch
bitteres Unrecht gegen die Kirche und die Gläubigen.
Erinnert Euch, geliebte Diözesanen, all der Lehr- und Mahnworte, die die Kirche als liebevolle Mutter und Erzieherin zu Euch sprach seit den Tagen Eurer Kindheit, in der Schule, in der Christenlehre, in der Predigt, bei der Spendung der heiligen Sakramente, beim öffentlichen Gottesdienste und in der stillen Unmittelbarkeit der Einzelseelsorge. Da arbeitete und arbeitet sie an Euch, damit Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit, Gewissenhaftigkeit und Treue, Hilfsbereitschaft und Nächstenliebe in Eurem Herzen sich festige und Euren Sinn veredle. Täglich aufs neue verankert sie da mit fürsorgender Hand die Familie, das Fundament aller menschlichen Gesellschaft, und nimmer wird sie müde, alles nach besten Kräften abzuwehren, was das Volkswohl schädigen könnte. So hat sie auch das Messer angesetzt, um jenes Geschwür aufzuschneiden, an dem unsere deutsche Volksfamilie zugrunde zu gehen droht: den Mißbrauch der Ehe, die Sünden gegen das keimende Leben. Sie dient immerfort dem Gesamtwohle des Staates, indem sie den Kindern Gehorsam einschärft gegen Eltern und Vorgesetzte und den Eltern aufopfernde Liebe und Sorge befiehlt für die Kinder, indem sie den Bürgern jeglichen Standes treue, unentwegte Pflichterfüllung predigt und allen Gliedern des Volkes Frieden und Einigkeit unter einander.
Oft und oft hat der Staat in den Zeiten höchster Not bei der Kirche angeklopft,
auf daß sie erscheinen möge, um mit ihrer weichen Hand die schrecklichsten Wunden zu heilen, um mit ihrem tröstenden Wort gebrochenen Mut aufzurichten, zaghaften Sinn zu stärken, harte Herzen und verschlossene Hände zu öffnen. Was der Staat selbst nie vermocht hätte, die Kirche hat es für ihn und zu seinem Heile geleistet. Noch in diesem Kriege hat sie - dessen ist Freund und Feind allüberall Zeuge - unermeßliches Leid gestillt und vieler furchtbaren Not bei den Daheimgebliebenen und bei den Gefangenen in fernen Ländern vorgebeugt. Und der Dank dafür? Wahrlich, der Staat müßte nach dem Kriege dringendere und größere Sorge haben, als seine Helferin in der Not höhnend beiseite zu schieben.
Und sollte es zu einer Beraubung der Kirche kommen,
wie es geplant zu sein scheint, - welch neues Unrecht! - Es sind kaum hundert Jahre her,da hatte man die Güter der katholischen Kirche eingezogen und den katholischen Volksteil arm gemacht. Damals blieb sich der Staat bewußt, daß er der von den notwendigsten Mitteln entblößten Kirche dafür wenigstens die geordnete Existenz wieder zu ermöglichen habe. Deshalb hat der Staat damals gewisse Leistungen der katholischen Kirche gegenüber feierlich und in einer nach Völkerrecht bindenden Weise auf sich genommen. Und selbst diese Verpflichtung wollte der Staat einfach leugnen? Wollte sich in brutaler Art hinweg setzen über alles Recht? Wollte heilige Verträge einseitig zerreißen, die nur mit Zustimmung beider Teile geändert werden können? Schon ist das Wort gefallen, der Besitz der Kirche sei zu Unrecht erworben. O, liebe Diözesanen, ist das wirklich Unrecht, daß die Gläubigen sich Kirchen bauen, Ruhestätten für ihre Angehörigen erwerben, den Geistlichen, die an ihren Kirche ndienen [sic], den Lebensunterhalt sichern? Wieviele Lohngroschen der Arbeiter und Arbeiterinnen, wieviele Liebesgaben der Armen und Armsten, wieviele Scherflein der Witwen sind langsam zusammen geflossen, um da und dort ein neues Gotteshaus erstehen zu lassen! Ist solches Almosen, ist solche Liebe Unrecht? Nein, wahrhaftig nein. Aber Frevel und Unrecht wäre es, sich an solchem Eigentum zu vergreifen. Wie manche fromme Stiftung ist von den Gläubigen gemacht worden mit der ausdrücklichen Absicht, daß noch in fernen Zeiten ihrer im Gebete gedacht werde und daß ihre Nächstenliebe für Arme und Kranke fortdauernd Gutes wirke! Wer will das Recht haben, diese Stiftungen anzutasten? Und dann die Besitzungen unserer katholischen Orden und Kongregationen! Vor hundert Jahren hat man unseren Orden alles fortgenommen, was auf die allergerechteste Art, durch Arbeit und Schenkung, gewonnen war. Und jetzt möchte man bei der Trennung von Staat und Kirche zu neuem Unrecht schreiten. Da fragen wir Euch: Was, glaubt Ihr, wäre dabei im ganzen preußischen Staate überhaupt zu gewinnen? Was anders als geringe Liegenschaften und schlichte Gebäude von Orden, die ihre gesamten Kräfte dem Dienste Gottes, der Erziehung der Jugend, der Fürsorge und Pflege von Kranken, Krüppeln, Blinden, Waisen, Irren, Geistesschwachen, kurz der Fürsorge und Pflege der Aermsten der Armen widmen? Und alles Eigentum der Orden im preußischen Staate ist in den letzten Jahrzehnten lediglich erworben durch die milden Schenkungen des gläubigen Volkes, durch das mitgebrachte Gut ihrer Mitglieder, durch die sparsame, ja kärgliche Lebensweise der Bewohner der Ordenshäuser. Schnöder Undank und schreiendes Unrecht wäre es, wenn der Staat Heim und Versorgung gerade denen rauben wollte, die seinen verlassensten und ärmsten Gliedern die größten Wohltäter sind.
Geliebte Diözesanen! Achtet bei der geplanten Trennung von Staat und iKrche [sic] nicht bloß auf das frevelhafte Unrecht, das damit verübt würde. Denkt auch, wir bitten Euch,
an die schlimmen und schweren Gefahren, die eine solche Trennung mit sich bringt. Ein Staat ohne Gott, ohne Religion! Wer soll den Bestand des Staates sichern, wer die Gewissenhaftigkeit und Treue seiner Bürger, die Wahrhaftigkeit in Handel und Wandel gewährleisten? Etwa die Polizei und die Furcht vor Strafe? Ihr wißt, wie wenig Schutz und Sicherheit äußere Maßnahmen bieten, wenn nicht das Gewissen mitspricht. Die Ehe wird entweiht, die eheliche Treue wird dem Gespötte preisgegeben, das Familienband auseinandergerissen, schon kündigen die Förderer der Trennung von Kirche und Staat die vollständige Umwandlung aller sittlichen Begriffe in der Oeffentlichkeit an. Und eine Schule ohne Gott und ohne Offenbarung! Ohne Christentum und Kirche! Eine Schule - merket wohl auf, geliebte Diözesanen - ohne Religionslehre und ohne Gottesdienst, ohne geregelten Sakramentenempfang, ohne religiösen Geist in Unterricht und Erziehung! Werdet Euch bewußt, welch entsetzliche Verwüstungen im Erziehungs- und Schulwesen, im ganzen Geistesleben des Volkes das bedeutet! Welch harte und schier unerträgliche Arbeit wird das geben für Lehrer und Erzieher! Wie schmerzlich und herzzerbrechend wird für die Eltern die Erfahrung werden, daß kindliche Liebe und kindlicher Gehorsam bei jeder Versuchung ins Wanken geraten, wenn sie nicht durch die Ehrfurcht vor Gottes Willen gestützt und nicht im Gewissen fest verankert sind! Aeußere Bildung und die Erziehung zu religionsloser Menschlichkeit werden zur Zeit der Prüfung abfallen wie aufgetragene Tünche. Wie erschreckend wachsen die Reihen der Verbrechen nach Ausweis der Statistik dort, wo die Schulen sich dem Einfluß der Religion entziehen oder ganz religionslos sind! Wenn einmal die zweite oder dritte Generation in der religionslosen Schule herangewachsen ist, dann wird die Not des Staates selbst vielleicht so groß geworden sein, daß er am liebsten die vertriebene Kirche zur Hilfe wieder zurückrufen möchte.
Laßt uns schließlich, geliebte Diözesanen, noch die eine Frage stellen:
Wem ist denn mit der Trennung von Staat und Kirche gedient?
Wird der preußische Staat reich werden durch die Güter, die in ihrem Gesamtbetrage - hört unser wohlüberlegtes Wort - die in ihrem Gesamtbetrage noch bei weitem nicht den Wert der einen oder anderen großen Fabrik- oder Bergwerksgesellschaft erreichen, durch die Einziehung von Gütern, die er seinen eigenen Angehörigen raubt? Nimmt der Staat diese Güter nicht gerade den breiten Massen des Volkes, die in der Religion Kraft, Trost und Mut für alle Lebenslagen finden? Nimmt er sie nicht den Söhnen der Kirche, die um ihres Glaubens und Gewissens willen in den blutigen Schlachten und harten Entbehrungen bis zum letzten standgehalten haben? Geschieht denn - so fragen wir alle - geschieht denn irgendwie einem Staatsbürger Unrecht, wenn der andere sich öffentlich als Glied seiner Kirche bekennt? Hat nicht der christgläubige Katholik genau dasselbe Recht auf diejenige Achtung seiner Ueberzeugung, die der Staat den Ungläubigen und den Dissidenten zubilligen will? Kann der christusgläubige Staatsbürger nicht die Erziehung der Kinder nach seinen Grundsätzen und seiner Ueberzeugung wenigstens gerade so berechtigter Weise verlangen, wie der glaubenslose Staatsbürger?
In Christo geliebte Dizöesanen! Das Höchste und Heiligste und Beste, was wir haben, steht mit der Trennung von Staat und Kirche auf dem Spiele. Es geht um das Ganze, um die Ehre Gottes, um den Namen Jesu Christi, um Eure heilige Kirche, um Eure Gewissensfreiheit, um das Heil Eurer Seelen und um das Heil der Seelen Eurer unschuldigen Kinder. In den Jahren des Kulturkampfes habt Ihr Euch festgeschart um Eure Bischöfe und Seelsorger. Und diese katholische Einigkeit hat damals den vollen Sieg davongetragen. Denn dieser katholischen Einigkeit und Einmütigkeit konnte auf die Dauer nichts widerstehen. Jetzt kommt ein Kulturkampf von noch viel schlimmerer Art. Schließt darum enger wieder Eure Reihen! Verteidigt Eure Rechte mit Unerschrockenheit und Ausdauer! Glaubet nicht, daß wir übertreiben!
In der Zukunft droht Schreckliches.
Wir bitten und beschwören Euch bei allem, was Eurem Herzen lieb und heilig ist: Verkennet nicht den erschütternden Ernst und die verhängnisvollen Gefahren dieser Zeiten. Es sind die Feinde der Religion, die jetzt ihre Stunde gekommen glauben. Sie werden Alles und Jedes daransetzen, um ihr Ziel zu erreichen. Dagegen müßt Ihr Euch wehren, alle insgesamt wie ein Mann, unbeugsam und unbesiegbar. Benutzet alle Rechte, die Ihr in politischer Beziehung habt, Ihr katholischen Männer und Frauen, Jünglinge und Jungfrauen! Tut alles, was Ihr könnt, mit allen erlaubten Mitteln, die Euch irgendwie zu Gebote stehen, um das Unheil abzuwehren. Ihr katholischen Vereine und Organisationen, wir rufen Euch auf! In gewaltigen Versammlungen und in der zähen Kleinarbeit, durch Wort und Schrift und Pesse [sic], nicht zuletzt durch inständiges Gebet im gemeinsamen Gottesdienst, in privater herzlicher Andacht: arbeitet und betet alle für die Sache Gottes und seiner Kirche. Erhebet Protest über Protest gegen das Unrecht, das man Euch antun will. Und laßt nicht nach in Eurem Widerstande, bis man davon absteht, die Hand an Euer Heiligtum zu legen! Gott der Herr aber schütze uns alle und helfe uns und segne uns in dieser schweren, schweren Stunde, Gott der Vater und der Sohn und der heilige Geist. Amen.
Gegeben am 20. Dezember 1918. Felix, Kardinal von Hartmann, Erzbischof von Köln. ++ Edmund, Erzbischof von Gnesen und Posen. + Adolf, Fürstbischof von Breslau. + M. Felix, Bischof von Trier. + Augustinus, Bischof von Culm. Joseph Damian, Bischof von Fulda. + Augustinus, Bischof von Ermland. + Karl Joseph, Bischof von Paderborn. + Johannes, Bischof von Münster. + Augustinus, Bischof von Limburg. + Wilhelm, Bischof von Osnabrück. + Joseph, Bischof von Hildesheim.
1Der erste Absatz ist am rechten Seitenrand hds. markiert.
Empfohlene Zitierweise
Preußischer Episkopat, Die Bischöfe Preußens rufen zur Tat!in: Germania, Nr.598 vom 23. Dezember 1918, Anlage, in: 'Kritische Online-Edition der Nuntiaturberichte Eugenio Pacellis (1917-1929)', Dokument Nr. 54, URL: www.pacelli-edition.de/Dokument/54. Letzter Zugriff am: 04.12.2022.
Online seit 02.03.2011, letzte Änderung am 26.06.2019.