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Dokumentation

Die Öffnung aller Akten aus dem Pontifikat Pius' XI. (1922-1939) im Vatikanischen Geheimarchiv 2003 und 2006 macht es möglich, die Nuntiaturberichte, die Pacelli in den zwölf Jahren seiner Tätigkeit in Deutschland an die Römische Kurie sandte, zu edieren. Die Berichte Pacellis und die Weisungen aus Rom an den Nuntius werden erfasst, kritisch ediert, kommentiert, ausgewertet und Wissenschaftlern ebenso wie einer breiten internationalen Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Mit der Edition wird das wichtigste zusammenhängende Quellenkorpus zum deutschen Katholizismus in der Weimarer Zeit veröffentlicht. In ihm spiegelt sich weit mehr als Pacellis Blick auf Katholizismus und Kirche in Deutschland. Vielmehr sind auch seine Urteile über politische, soziale und kulturelle Entwicklungen sowie das Alltagsleben der Weimarer Republik von höchstem Interesse für die Forschung. Ereignisse wie der Hitler-Putsch von 1923, die Rheinlandbesetzung oder die Wahl Hindenburgs zum Reichspräsidenten 1925 werden ebenso thematisiert wie Frauensport und Geburtenkontrolle, nicht zuletzt auch die Antisemitismus-Problematik. Pacellis Wahrnehmungshorizont ging weit über Deutschland hinaus: Besonders über den osteuropäischen Raum, namentlich über die UdSSR berichtete er detailliert. Die Funktion der Berliner Nuntiatur als Drehscheibe der vatikanischen Europa- und Weltpolitik macht die Quellen daher auch für transnational angelegte Forschungen unverzichtbar.

Da sich sowohl die Entwürfe der Nuntiaturberichte in den Archiven der Nuntiaturen in München und Berlin als auch die Ausfertigungen, maßgeblich im Archiv des Staatssekretariates beziehungsweise der Kongregation für die Außerordentlichen Kirchlichen Angelegenheiten nahezu komplett erhalten haben, lassen sich die unterschiedlichen Entstehungsstufen der Berichte und das Zusammenwirken Pacellis mit seinen Mitarbeitern der Nuntiatur, insbesondere mit den Auditoren Lorenzo Schioppa und Luigi Centoz, präzise rekonstruieren. Die Online-Edition ermöglicht es, die unterschiedlichen Korrekturen der jeweiligen Bearbeiter in verschiedenen Farben anzeigen zu lassen.

Die Informationen, die Pacelli lieferte, prägten den kurialen "View from Rome" auf Deutschland. Unsere Edition ermöglicht einen Einblick in die vatikanischen Entscheidungsfindungsprozesse im Spannungsfeld von geregelten Verfahren in Kongregationen und Kommissionen sowie informellen Sondierungen an den offiziellen Institutionen der Kurie vorbei. Zugleich werden fundamentale, fast intim zu nennende Einblicke in Pacellis Biografie, seinen Charakter, seine Arbeitsweise und Denkstrukturen möglich. Letztlich lassen sich Pacellis Entscheidungen als Papst Pius XII. nur vor dem Hintergrund seiner Biografie verstehen. Seine Erfahrungen in Deutschland ließen ihn nach Scheitern der päpstlichen Friedensinitiative von 1917 die absolute Überparteilichkeit des Heiligen Stuhls in internationalen Konflikten und den Primat der Seelsorge vor allen anderen kirchlichen Aufgaben als Maximen seines Handelns internalisieren.

Die Edition wird im Rahmen eines auf zwölf Jahre angelegten Langzeitvorhabens von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanziert.

In regelmäßiger Folge werden die Berichte jahrgangsweise online gestellt:

  • Seit dem 24. März 2010 ist das Jahr 1917 online.
  • Seit dem 2. März 2011 sind wesentliche Teile des Jahres 1918 online.
  • Seit dem 14. Januar 2013 stehen die Berichte und Weisungen aus dem Jahr 1920 online.
  • Seit dem 20. Dezember 2011 finden sich die Weisungen von 1917 und 1918 sowie ausgewählte Nuntiaturberichte und Weisungen, die im Tagungsband "Eugenio Pacelli als Nuntius in Deutschland" zitiert werden, in der Datenbank.
  • Seit dem 5. Juni 2012 stehen die Berichte und Weisungen aus dem Jahr 1919 online.
  • Seit dem 15. Mai 2013 stehen die Berichte und Weisungen aus dem Jahr 1921 online.
  • Seit dem 31. Juli 2013 stehen die Berichte und Weisungen aus dem Jahr 1922 online.
  • Seit dem 29. September 2014 steht das Jahr 1923 online, darunter auch die Privatkorrespondenz von Pacelli mit dem Substituten im Staatssekretariat, Giuseppe Pizzardo.
  • Seit dem 18. September 2015 steht der Jahrgang 1924 mit ca. 1.650 neuen Dokumenten online.
  • Seit Juni 2016 steht der Jahrgang 1925 mit über 1.600 Dokumenten online.
  • Seit März 2018 steht der Jahrgang 1926 mit über 1.780 Dokumenten online.
  • Seit dem 25. Februar 2019 ist der Jahrgang 1927 mit weiteren 1.050 Dokumenten online.
  • Am 28. Juni 2019 geht die überarbeitete Homepage mit neuen Funktionalitäten und neuem Design online.