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Lutherische Liturgie

Die Liturgie des Luthertums geht auf die Frühzeit der Reformation zurück, erfuhr aber im Laufe der Zeit einige Modifikationen und diverse regional unterschiedliche Ausformungen.
Gemäß dem von Luther beschriebenen Prinzip der "sola scriptura", der Ableitung der Glaubensinhalte allein aus der biblischen Überlieferung, nahm in der reformatorischen Umgestaltung der Liturgie die Schriftlesung einen zentralen Platz in der Feier des Gottesdienstes ein. Luther folgte dabei dem Grundaufbau der mittelalterlichen Messe, erreichte aber eine Gewichtsverschiebung hin zum Wortgottesdienst, indem er Teile des Eucharistieteils in seiner sogenannten Deutschen Messe strich und diesen zu einem Kommunionteil umfunktionierte, der den Opfercharakter der Messe verdrängte und die Gemeinschaftsfeier der Gemeinde hervorhob. An den nun in der Volkssprache gestalteten Wortgottesdienst schloss sich das Vaterunser an, dem Einsetzungsworte und Austeilung der Kommunion unter beiderlei Gestalt folgten. Die klare und nüchterne Form des Gottesdienstes wurde durch deutsche Kirchenlieder ausgeschmückt, die die Gemeinde zur aktiven Mitfeier anregen sollten.
Im Laufe der Zeit wurden die von Luther entworfenen Grundformen der Liturgie in den unterschiedlichen deutschen Staaten weiter ausgestaltet und erhielten ihr Gepräge in den sogenannten Agenden, die die lutherische Entsprechung zum Missale (Messbuch) darstellen. Beispiele hierfür sind die von Johannes Bugenhagen beeinflussten Kirchenordnungen oder die Brandenburg-Nürnberger Ordnung der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Im 18. Jahrhundert erweiterte sich die Vielfalt liturgischer Formen durch den Pietismus und aufklärerische Strömungen. Anders als diese auf individuelle Innerlichkeit und intellektuelle Wortverkündigung ausgerichteten Formen sahen Liturgiker des 19. Jahrhunderts unter Rückgriff auf die ursprünglichen Konzeptionen Luthers die Notwendigkeit einer gemeinschaftsorientierten, eucharistisch-rituellen Liturgie. Ein Beispiel für die liturgischen Erneuerungen ist der fränkische Theologe Wilhelm Löhe, der die Schriften der Reformationszeit wieder stärker in den Mittelpunkt rückte.
Quellen
LUTHER, Martin, Deutsche Messe und Ordnung Gottes Diensts, Wittenberg 1526.
LUTHER, Martin, Formula Missae et Communionis. Die Weyse der Mess und der Genießung des hochwirdigsten Sakraments für die christliche Gemein, Wittenberg 1523.
LUTHER, Martin, Von Ordnung Gotes Dienst in der Gemein, Augsburg 1523.
Literatur
BERGER, Teresa, Liturgien. Reformatorische, in: Lexikon für Theologie und Kirche3 6 (1997), Sp. 984-987.
KALB, Friedrich, Liturgie I. Christliche Liturgie. Die Liturgie der reformatorischen Kirchen, in: Theologische Realenzyklopädie 21 (1991), S. 358-377, hier 363-369.
KLEINIG, Vernon, Lutheran liturgies from Martin Luther to Wilhelm Löhe, in: Concordia theological quarterly 62 (1998), S. 125-144.
Empfohlene Zitierweise
Lutherische Liturgie, in: 'Kritische Online-Edition der Nuntiaturberichte Eugenio Pacellis (1917-1929)', Schlagwort Nr. 10020, URL: www.pacelli-edition.de/Schlagwort/10020. Letzter Zugriff am: 08.08.2020.
Online seit 18.09.2015
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