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Erklärung der Bischöfe von Fulda, Limburg und Mainz zu Ernst Michels "Politik aus dem Glauben"

Ernst Michel, Laie, linkskatholischer Sozialwissenschaftler und Publizist aus Frankfurt am Main, geriet ins Visier des Ordinariats des Bistums Mainz sowie mit einiger Verzögerung der Ordinariate von Limburg und Fulda, indem er unter anderem die juridische Verfassung, die Organisation und den Konservativismus der katholischen Kirche kritisierte und Aufsätze des in der Kritik stehenden Joseph Wittig herausgab. Ihren Höhepunkt erreichte die Affäre 1926, als Michel sein Buch "Politik aus dem Glauben" publizierte. Er sprach sich darin für die Eigengesetzlichkeit der Politik gegenüber dem Glauben aus, weswegen es keine allgemeinverbindliche christliche Politik geben könne, sondern diese eine Sache individueller Entscheidung und Verantwortung sei. Zudem plädierte er für die Trennung von Kirche und Staat und kritisierte den Abschluss von Konkordaten.
Am 31. Dezember 1926 zeigte der Limburger Subregens, Wilhelm Pappert, Michel beim dortigen Ordinariat wegen Häresie an. Er warf ihm vor, die kirchliche "potestas indirecta in temporalibus" zu leugnen und die protestantische Rechtfertigungslehre zu vertreten. Pappert wandte sich einen Monat später an Pacelli. Dieser übersandte Michels Buch nach Rücksprache mit Gasparri am 15. März 1927 ans Heilige Offizium (Dokument Nr. 19666). Der Nuntius hielt Michels Thesen für so gefährlich, dass er sich dafür aussprach, das Buch zu indizieren, obwohl er eine öffentliche Kontroverse und damit Komplikationen für die laufenden Konkordatsverhandlungen für möglich hielt. Im Mai 1927 forderte Pacelli den Limburger Bischof Augustin Kilian auf, energisch gegenüber Michel durchzugreifen. Kilian veröffentlichte am 5. August 1927 gemeinsam mit den Bischöfen von Mainz und Fulda eine Erklärung, die vor Irrtümern in Michels Buch warnte (Dokument Nr. 19664). Im Heiligen Offizium plädierte der Konsultor Alois Hudal ebenfalls dafür, Michel zu verurteilen. Die Verurteilung erfolgte allerdings erst 1929 (vgl. Dokument Nr. 19701). Das Heilige Offizium und Papst Pius XI. sahen in der Folge davon ab, weitere Werke Michels zu verurteilen(vgl. Dokument Nr. 19711).
Quellen
Erklärung der Bischöfe von Fulda, Limburg und Mainz vom 10. Juli 1927, in: Kirchliches Amtsblatt für die Diözese Fulda 43 (1927), S. 53.
Pacelli an Merry del Val vom 15. März 1927; Dokument Nr. 19666.
Pacelli an Merry del Val vom 10. August 1927; Dokument Nr. 19664.
Pacelli an Merry del Val vom 7. November 1929; Dokument Nr. 19701.
Pacelli an Merry del Val vom 4. Dezember 1929; Dokument Nr. 19711.
Literatur
BURKARD, Dominik, Ernst Michel und die kirchliche Zensur (1921-1952), in: HAINZ, Josef, Reformkatholizismus nach 1918 in Deutschland. Joseph Wittig (1879-1949) und seine Zeit. Dokumentation des Symposions der "Bibelschule Königstein e. V." am 30./31.03.2001 in Königstein, Eppenhain 2002, S. 45-72.
UNTERBURGER, Klaus, Vom Lehramt der Theologen zum Lehramt der Päpste? Pius XI., die Apostolische Konstitution "Deus scientiarum Dominus" und die Reform der Universitätstheologie, Freiburg im Breisgau / Basel / Wien 2010, S. 330-336.
Empfohlene Zitierweise
Erklärung der Bischöfe von Fulda, Limburg und Mainz zu Ernst Michels "Politik aus dem Glauben", in: 'Kritische Online-Edition der Nuntiaturberichte Eugenio Pacellis (1917-1929)', Schlagwort Nr. 1984, URL: www.pacelli-edition.de/Schlagwort/1984. Letzter Zugriff am: 26.09.2020.
Online seit 25.02.2019, letzte Änderung am 26.06.2019
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