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Bayerischer Bauernbund (BBB)

Der Bayerische Bauernbund (BBB) wurde am 2. März 1895 durch Zusammenschluss verschiedener regionaler Bauernorganisationen gegründet. Er grenzte sich vor allem vom preußischen Bund der Landwirte (BdL) ab, der in dieser Zeit versuchte, in Bayern Fuß zu fassen. Der Bund war zunächst eine agrarisch-mittelständische Organisation mit primär wirtschaftspolitischen Zielen und entwickelte sich erst zu einer politischen Partei.
Antiklerikal ausgerichtet war der BBB dabei ein entschiedener Gegner des Zentrums und – nach ihrer Gründung 1918 – deren Nachfolgerin, der Bayerischen Volkspartei (BVP). Neben Wirtschafts- und Agrarpolitik lagen ihre Schwerpunkte auf der Eigenständigkeit Bayerns, demokratischen Grundprinzipien und der Trennung von Staat und Kirche. Innerparteiliche Auseinandersetzungen zwischen Gemäßigten und Radikalen über diese Ziele blieben nicht aus.
Während der Revolution in Bayern 1918/19 engagierte sich der linke Flügel des Bauernbundes auf Seiten Kurt Eisners. Karl Gandorfer, Vorsitzender des BBB, besetzte im Auftrag Eisners den neu gegründeten Zentralbauernrat vornehmlich mit linken Bauernbündlern.
Der BBB war im bayerischen Landtag durchgängig vertreten und zwischen 1920 und 1930 an allen Landesregierungen beteiligt. Er versuchte, seine Wählerbasis im Laufe der Zeit auch auf den Mittelstand auszuweiten, und trat ab 1922 unter der Bezeichnung "Bayerischer Bauern- und Mittelstandsbund" auf. Bei den Landtagswahlen erhielt er 1919 9,1 Prozent der Stimmen, 1920 7,9 Prozent, 1924 7,1 Prozent, 1928 11,5 Prozent und 1932 6,5 Prozent. Im Reich dagegen war er fast bedeutungslos, blieb bei den prozentualen Stimmanteilen stets im unteren einstelligen Bereich und erzielte 1928 mit 8 Sitzen seinen größten Erfolg. Er war dabei immer auf Wahlbündnisse angewiesen, um in den Reichstag einzuziehen. Die kurzzeitige Beteiligung am Kabinett Wirth II blieb lediglich Episode.
Zwar war die Parteiführung des BBB durchgängig republiktreu, dies galt für die Funktionäre und Wählerschaft in der Endphase der Weimarer Republik jedoch nur in eingeschränktem Maße. Der Bauernbund litt nach 1930 immer mehr unter dem Erfolg der Nationalsozialisten (NSDAP), aber auch an seinen inneren Widersprüchen. Er löste sich schließlich 1933 auf.

Beteiligung an Landesregierungen
Kabinett Ministerposten
Kabinett Segitz (1. März 1919 bis 17. März 1919) – vom Landtag nicht anerkannt Landwirtschaft (Theodor Dirr)
Kabinett Hoffmann I (17. März 1919 bis 31. Mai 1919) Landwirtschaft (Martin Steiner)
Kabinett von Kahr I (16. März bis 16. Juli 1920) Landwirtschaft (Johannes Wutzlhofer)
Kabinett von Kahr II (16. Juli 1920 bis 11. September 1921) Landwirtschaft (Johannes Wutzlhofer)
Kabinett Lerchenfeld-Köfering (21. September 1921 bis 8. November 1922) Landwirtschaft (Johannes Wutzlhofer)
Kabinett Knilling (8. November 1922 bis 4. Mai 1924) Landwirtschaft (Johannes Wutzlhofer)
Kabinett Held I (27. Juni 1924 bis 30. Juli 1928) Landwirtschaft (Anton Fehr)
Kabinett Held II (31. Juli 1928 bis 10. März 1933) Landwirtschaft und Arbeit (Anton Fehr, bis 25. Juli 1930)

Beteiligung an Reichsregierungen
Kabinett Ministerposten
Kabinett Wirth II (26. Oktober 1921 bis 22. November 1922) Ernährung und Landwirtschaft (Anton Fehr, ab 31. März 1922)
Analyse
In Anlehnung an ein Schreiben des Vorsitzenden der BVP-Fraktion im bayerischen Landtag, Heinrich Held, über die Chancen des Bayernkonkordats im Landtag, charakterisierte Pacelli die Bauernbündler als zwar katholisch, aber radikal nicht nur in ihren wirtschaftlichen und politischen Einstellungen, sondern auch in Bezug auf religiöse und kirchliche Angelegenheiten. Dennoch sei davon auszugehen, dass sie für das Konkordat stimmen würden (Dokument Nr. 402), was sie schließlich auch taten.
Literatur
BERGMANN, Hannsjörg, Der Bayerische Bauernbund und der Bayerische Christliche Bauernverein 1919-1928 (Schriftenreihe zur bayerischen Landesgeschichte 81), München 1986.
BRAUN, Oliver, Bayerischer Bauernbund (BB), 1895-1933, in: www.historisches-lexikon-bayerns.de (Letzter Zugriff am: 02.07.2012).
FALTER, Jürgen / LINDENBERGER, Thomas / SCHUMANN, Siegfried, Wahlen und Abstimmungen in der Weimarer Republik. Materialien zum Wahlverhalten 1919-1933 (Statistische Arbeitsbücher zur neueren deutschen Geschichte), München 1986, Tab. 1.3.1.2, S. 44.
HAUSHOFER, Heinz, Der Bayerische Bauernbund (1893-1933), in: GOLLWITZER, Heinz (Hg.), Europäische Bauernparteien im 20. Jahrhundert (Quellen und Forschungen zur Agrargeschichte 29), Stuttgart 1977, S. 562-586.
HUNDHAMMER, Alois, Geschichte des Bayerischen Bauernbundes, München 1924.
Empfohlene Zitierweise
Bayerischer Bauernbund (BBB), in: 'Kritische Online-Edition der Nuntiaturberichte Eugenio Pacellis (1917-1929)', Schlagwort Nr. 2100, URL: www.pacelli-edition.de/Schlagwort/2100. Letzter Zugriff am: 20.09.2019.
Online seit 04.06.2012, letzte Änderung am 24.10.2013
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