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Untergang des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation 1806

Durch die Expansionen Frankreichs seit dem Ende des 18. Jahrhunderts sowie durch den Reichsdeputationshauptschluss von 1803 wurde die Integrität des Heiligen Römischen Reichs schwer getroffen. Als Napoleon Bonaparte sich am 18. Mai 1804 zum Kaiser der Franzosen erhob und damit den Titel beanspruchte, der für ein knappes Jahrtausend dem Herrscher über das Heilige Römische Reich vorbehalten war, waren die Auswirkungen auf das Reich enorm. Kaiser Franz II. reagierte am 11. August 1804 darauf, indem er sich zusätzlich als Erzherzog von Österreich und Kaiser Franz I. von Österreich bezeichnete, vertraute also selbst nicht mehr dem Fortbestand des Alten Reichs. Der Zerfall beschleunigte sich 1805 durch die Niederlagen Österreichs im Dritten Koalitionskrieg gegen Frankreich, den Einmarsch der Franzosen in Wien und Napoleons Sieg in der "Dreikaiserschlacht" gegen Österreich und Russland. In dem darauffolgenden Frieden von Preßburg, der von Napoleon am 2. Dezember diktiert wurde, musste Franz II. erhebliche territoriale Einbußen hinnehmen. Darüber hinaus erhielten Bayern, Württemberg und Baden, die die napoleonischen Truppen unterstützt hatten, eine Souveränität zugestanden, die sie de facto mit Österreich und Preußen gleichstellte und die Rechtsverhältnisse im Reich durcheinander warf. Die Reichseinheit avancierte schließlich zur Fiktion als sich am 12. Juli 1806 sechzehn Reichsstände unter Napoleon als Protektor zum zweiten Rheinbund zusammenschlossen. Sie verzichteten auf alle Titel und Funktionen des Reichs und traten aus dem Reich auS. Am 1. August teilten sie dies offiziell dem Regensburger Reichstag mit und fügten die Begründung an, dass der Reichsdeputationshauptschluss nicht in der Lage gewesen sei, die Unzulänglichkeiten der bisherigen Reichsverfassung zu beheben. Am selben Tag verkündete Napoleon, die Reichsverfassung nicht länger anerkennen zu können und forderte von Franz II., binnen zehn Tagen die Kaiserkrone niederzulegen. Franz II. beugte sich dieser Aufforderung am 6. August. Damit hörte das nahezu 1000-jährige Heilige Römische Reich auf zu existieren.
Literatur
HARTMANN, Peter Claus, Das Heilige Römische Reich deutscher Nation in der Neuzeit 1486-1806, Stuttgart 2005, S. 158-162.
HERBERS, Klaus / NEUHAUS, Helmut, Das Heilige Römische Reich. Ein Überblick, Köln / Weimar / Wien 2010, S. 269-291.
STOLLBERG-RILINGER, Barbara, Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation. Vom Ende des Mittelalters bis 1806, München 42009, S. 110-115.
Empfohlene Zitierweise
Untergang des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation 1806, in: 'Kritische Online-Edition der Nuntiaturberichte Eugenio Pacellis (1917-1929)', Schlagwort Nr. 23019, URL: www.pacelli-edition.de/Schlagwort/23019. Letzter Zugriff am: 22.09.2020.
Online seit 02.03.2011, letzte Änderung am 25.02.2019
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