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Diplomatische Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und Portugal

Bereits seit dem 16. Jahrhundert entsandte der Heilige Stuhl Nuntien nach Portugal. Die Ausrufung der Republik in Portugal 1910 führte zum Bruch. Die Jesuiten wurden des Landes verwiesen und alle Männerorden aufgehoben. Zudem wurden die Kirchengüter konfisziert und die meisten Bischöfe vertrieben. 1911 wurden ein Gesetz zur Trennung von Kirche und Staat und eine republikanische Verfassung erlassen. Auch das theologische Seminar der Universität Coimbra wurde unterdrückt. Die Beziehungen zum Heiligen Stuhl wurden abgebrochen. Nuntius Giulio Tonti wurde nach Rom zurückgerufen, behielt aber das Nuntiaturamt inne, bis er 1915 zum Kardinal befördert wurde. In Lissabon verblieb nur der Nuntiatursekretär Benedetto Aloisi Masella. Nach dem konservativen Staatsstreich Sidónio Pais' 1917, der die radikalsten antiklerikalen Gesetze rückgängig machte, näherten sich Portugal und der Heilige Stuhl wieder an und die diplomatischen Beziehungen wurden wieder aufgenommen.
Analyse
Pacellis Beteiligung an der Wiederannäherung ist aktenmäßig in den Beständen der vatikanischen Archive nur an einer Stelle nachweisbar. Im Juni 1916 übergab er dem monegassischen Minister beim Heiligen Stuhl, Conte Maggiorino Capello, der offenbar als Unterhändler fungierte, ein "Minimum indispensabile delle condizioni richieste per venire ad un tollerabile 'modus vivendi' con il Portogallo". Capello unterrichtete Pacelli am 21. Juli 1916 über die Haltung der portugiesischen Regierung und bot ihm ein erneutes Treffen an. Ob Pacelli dieses Angebot annahm, geht aus den Akten nicht hervor.
Pacelli selbst berichtet 1924, dass ihm Capello 1916 oder Anfang 1917 von mehreren Unterredungen erzählt habe, die er mit dem portugiesischen Gesandten beim italienischen Hof über eine mögliche Wiederannäherung zwischen Portugal und dem Heiligen Stuhl geführt habe. Der Münchener Nuntius erinnerte sich auch, dass ihn Capello um "notizie ed indicazioni circa la legge di separazione dello Stato dalla Chiesa in Portogallo" gebeten habe. Über all das habe er Gasparri pflichtgemäß auf dem Laufenden gehalten. Da er aber dann nach Deutschland aufgebrochen sei, wisse er nicht, welches Ergebnis diese Sondierungen gezeitigt und welchen Einfluss Capellos Aktion auf die spätere Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen gehabt habe (Dokument Nr. 15138).
Quellen
Minimum indispensabile delle condizioni richieste per venire ad un tollerabile "modus vivendi" con il Portogallo vom Juni 1916 [Entwurf]; S. RR. SS., AA. EE. SS., Portogallo, 1916, pos. 632, fasc. 389, fol. 34r-39v.
Maggiorino Capello an Pacelli vom 21. Juli 1916; S. RR. SS., AA. EE. SS., Portogallo, 1916, pos. 632, fasc. 389, fol. 44r-46v.
Literatur
BERNECKER, Walther L., Von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart, in: DERS. / HERBERS, Klaus, Geschichte Portugals, Stuttgart 2013, S. 133-329, hier 251-260.
DE MARCHI, Giuseppe, Le Nunziature Apostoliche dal 1800 al 1956 (Sussidi Eriditi 13), Rom 1957, S. 216.
MOREIRA AZEVEDO, Carlos A., Portugal, in: Lexikon für Theologie und Kirche3 8 (1999), Sp. 437-443, hier 439.
SCHULZ, Winfried, Gesandtschaftswesen, kirchliches, in: Lexikon für Theologie und Kirche3 4 (1995), Sp. 545-548.
STEGMÜLLER, Friedrich, Portugal, in: Lexikon für Theologie und Kirche 8 (1936), Sp. 387-392, hier 390 f.
Empfohlene Zitierweise
Diplomatische Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und Portugal, in: 'Kritische Online-Edition der Nuntiaturberichte Eugenio Pacellis (1917-1929)', Schlagwort Nr. 469, URL: www.pacelli-edition.de/Schlagwort/469. Letzter Zugriff am: 22.11.2019.
Online seit 18.09.2015, letzte Änderung am 24.06.2016
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