Dokument-Nr. 2331
Pacelli, Eugenio
an Gasparri, Pietro
Berlin, 06. März 1928
Regest
Pacelli teilt vertraulich mit, dass ihn der französische Botschafter in Berlin de Margerie am Morgen sub secreto darüber in Kenntnis setzte, dass der französische Botschafter in Moskau Herbette ein Gespräch mit dem sowjetischen Volkskommissar für Auswärtige Angelegenheiten Tschitscherin über die Beziehungen der Sowjetregierung mit dem Heiligen Stuhl führte. Dabei behauptete Tschitscherin, drei Phasen in der Haltung des Heiligen Stuhls beobachtet zu haben: In der ersten Phase, die der Zeit der päpstlichen Hilfsmission für Russland unter P. Walsh entspricht, habe der Heilige Stuhl unter dem Einfluss der russischen Migranten gestanden. In der zweiten Phase habe sich der Heilige Stuhl den Kommunismus zunutze machen und Massenbekehrungen der russischen Bevölkerung erreichen wollen. In der gegenwärtigen dritten Phase stehe der Heilige Stuhl unter dem Einfluss Englands, weshalb er sich, ganz im Sinne der Emigranten, weigere, sich mit Moskau zu einigen. Tschitscherin skizzierte gegenüber Herbette auch den Verlauf der Verhandlungen mit Pacelli, allerdings in einer ungenauen Art und Weise, wonach die Ursachen für ihr Scheiterns in der Missgunst des Heiligen Stuhls zu suchen seien. Herbette wies Tschitscherin darauf hin, dass sich der Heilige Stuhl gewöhnlich von keiner Macht zurückweisen lasse. Eine ähnliche Unterredung führte der Volkskommissar auch mit dem italienischen Botschafter in Moskau Cerruti, der die internationale Bedeutung eines Abkommens mit dem Heiligen Stuhl für die Sowjetunion betonte. Pacelli bezeichnet es als noch merkwürdiger, dass der deutsche Botschafter in Moskau Brockdorff-Rantzau, dessen intime Beziehungen zu den sowjetischen Diktatoren bekannt sind, bei Cerruti nachgefragt haben soll, ob die Behauptung stimme, dass der Heilige Stuhl unter dem Einfluss einer Großmacht stehe. Der Nuntius wies gegenüber dem guten Katholiken de Margerie die lächerlichen Behauptungen Tschitscherins zurück, was nicht nötig gewesen wäre. Pacelli erklärte ihm, dass der Heilige Stuhl angesichts der verschärften Feindseligkeiten und der ungerechten Verfolgung von Priestern und Klerikern beschlossen habe, die Verhandlungen erst dann fortzusetzen, wenn diese unerträglichen Zustände beendet sind.Betreff
Sui rapporti fra la S. Sede ed il Governo dei Soviety
Questo Ambasciatore di Francia









11v
con questo Ambasciatore




12r
verno dei Soviety vede
dapertutto [sic] la mano dell'Inghilterra!Da parte mia, non solo ho smentito (e non ve ne era in realtà bisogno) la ridicola e quasi fanciullesca concezione del Sig. Cicerin, ma ho altresì rettificato secondo verità le suaccennate false informazioni del Commissario del popolo a riguardo delle trattative. In particolar modo ho fatto rilevare al Sig. de Margerie, che è un ottimo cattolico, quanto sapientemente la S. Sede, in seguito alla inasprita ostilità religiosa ed alle ingiuste persecuzioni contro innocenti sacerdoti e religiosi, esclusi altresì dalla recente amnistia

Chinato umilmente al bacio della Sacra Porpora, con sensi di profondissima venerazione ho l'onore di confermarmi
Di Vostra Eminenza Reverendissima
Umilissimo Devotissimo Obbligatissimo Servo
+ Eugenio Pacelli Arcivescovo di Sardi
Nunzio Apostolico
1↑"sub secreto" hds. vermutlich vom Empfänger in roter Farbe zusätzlich
unterstrichen.
Empfohlene Zitierweise
Pacelli, Eugenio an Gasparri, Pietro vom 06. März 1928, in: 'Kritische Online-Edition der Nuntiaturberichte Eugenio Pacellis (1917-1929)', Dokument Nr. 2331, URL: www.pacelli-edition.de/Dokument/2331. Letzter Zugriff am: 31.03.2025.Verlinkte Schlagwörter
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