Document no. 13392
Boye
to Stadtschulrat von Recklinghausen
[Recklinghausen], 12 May 1923
Es ist unnütz, zu versuchen, mich in Gegensatz zu setzen zu dem General Laignelot, dem Kommandanten der 47. Inftr. Div., dem ich unterstellt bin. Nach seinen Anweisungen habe ich die Entscheidungen getroffen, die Ihnen mitgeteilt worden sind.
Als der General Laignelot die Freigabe gewisser Schulen zu Ihrer Verfügung ins Auge gefaßt hatte, konnte die Haltung der deutschen Behörden hoffen lassen, daß sie zukünftig einen weniger schlechten Willen zeigen würden, um den Bedürfnissen der franz. Besatzungstruppen Genugtuung zu leisten. Dies war nicht der Fall, insbesondere nicht bei der Lieferung der Betten, die wir für unser Lazarett nötig hatten. Was ich getan habe, um sie mir zu verschaffen, hätten auch die deutschen Behörden tun können. Man wird mir übrigens niemals vormachen können, daß alle Betten der deutschen Krankenhäuser wirklich belegt sind. Selbst wenn diese Einrichtungen nicht von dem deutschen Staat abhängen, hätten sie zu den Verpflichtungen (Lasten) beitragen können, die sich aus unserer Anwesenheit ergeben.
In Anbetracht der Haltung der deutschen Beamten, die unseren gerechtesten Ersuchen nur Weigerungen entgegenstellen, hat der General Laignelot entschieden, Ihnen gegenüber dieselben Maßnahmen zu ergreifen. Die franz. Behörden werden den deutschen Behörden keine Zugeständnisse machen können, außer wenn diese letzteren begonnen haben werden, den Beweis einer weniger systematischen Feindseligkeit zu liefern.
Ich verstehe mich übrigens nicht dazu, die Gewohnheit zu ergreifen, Ihnen die Gründe meiner Entscheidungen, die gemäß den Anweisungen meiner Vorgesetzten getroffen sind, auseinanderzulegen. Ich beabsichtige nicht, die Proteste oder Ersuchen, die Sie mir in
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in Zukunft zugehen lassen, in der
Form vorzulegen, die Sie in Ihrem letzten Schreiben annehmen zu können geglaubt
haben.gez. Boye.