Document no. 15525
Knobloch, Rudolf to Pacelli, Eugenio
Hamburg, 15 April 1924
In der Anlage überreichen wir ehrerbietigst in doppelter Ausfertigung die Verteilungspläne für die, mit unserem Schreiben vom 13.03.24, bereits angekündigten Liebesgabensendungen mit den Dampfern "Ordnuna, Mount Carrol, Porta-Bremen, Albert Ballin" und dürfen ersuchen, das zweite Exemplar des Verteilungsplanes dem Hl. Stuhl in Rom zuleiten zu lassen.
Die Sendungen waren durch den langen Hafenarbeiterstreik aufgehalten worden, sind jedoch jetzt sämtlich verteilt. Die Originialquittungen der Empfänger, sowie die eingelaufenen Dankschreiben, werden wir, sobald sie in unseren Händen sind, ebenfalls Ew. Exzellenz überreichen.
Ausser den in unserem Schreiben vom 20.03.24, bereits mitgeteilten Liebesgabensendungen mit den Dampfern "Pittsburg, Dorelian, Stuttgart und Westfalen", sind inzwischen fogende [sic] Dampfer neu angekommen:
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Dampfer | Thuringia-Hamburg, | 1.462 | Colli | Liebesgaben | |
" | Minnekahda-Hamburg | 730 | " | " | |
" | Eisenach-Bremen | 44 | " | " | neu gemeldet ist: |
" | Mount Carrol II Hamburg | 317 | " | " |
Was eventl. weitere Sendungen aus Amerika anbelangt, so liegen derzeit hierüber keine bestimmten Nachrichten vor. Vielmmehr lautet die Ansicht der dortigen Herrn, dass das Päpstliche Hilfswerk in Amerika bereits langsam seinem Ende zugehe. Der Deutsche Caritasverband hat in einem Kabelgramm vom 11. März die dringende Bitte nach Amerika übermittelt, es möchten doch ausser Kleidungsstücken, auch Lebensmittel gesammelt werden, da hierin die Not besonders gross sei. Der General-Sekretär des Catholic.Central-Clothing-Committee [sic] in New York, Rev. Dr. Rummel, schreibt nun, dass die Einleitung einer solchen Aktion ganz vom Einflusse anhänge, den die höchsten Kirchlichen Stellen darauf nehmen würden. Wir dürfen deshalb Ew. Exzellenz inständigst bitten, beim Hl. Stuhle in Rom nachdrücklichst dahin vorstellig zu werden, dass eine eigene Lebensmittelsammlung noch eingeleitet wird. Ew. Exzellenz sind die Notstände in Deutschland so hinreichend bekannt, dass wir mit dem Hinweis darauf unsere Bitte genügend begründen können.
Der Zentralrat des Deutschen Caritasverbandes hat am 12.3.24 in Bad-Nauheim beschlossem, für allgemeine Verteilungen in Zukunft einen
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Schlüssel zu wählen, der den Verhältnissen der
Diaspora-Diözesen mehr Rechnung trägt, indem der Seelenzahl der Katholiken 20 % der
Nichtkatholiken zugezählt werden. Wir dürfen diesen Schlüssel Ew. Exzellenz in der
Anlage überreichen mit der Bitte, denselben überprüfen zu wollen und uns die Genehmigung zu
erteilen, die weiteren Liebesgabensendungen des Päpstlichen Hilfswerkes nach diesem
Schlüssel umzulegen. Neu aufgenommen in die Zahl der Reichsdeutschen-DiözesanGebiete [sic]
ist die freie Stadt Danzig. Was die Verhältnisse im Bistum Meissen anbelangt, so werden wir
den von dort geäusserten Wünschen dadurch zu entsprechen suchen, dass wir der Auswahl der
Liebesgaben besondere Aufmerksamkeit zuwenden und zunächst einmal nach Möglichkeit
Priesterkleider dorthin schicken.Da in letzter Zeit des öfteren Priesterkleider und in einem Fall auch Messgewänder eigetroffen [sic] sind, würden wir es dankbar begrüßen, wenn Ew. Exzellenz geruhen möchten [sic] uns für die Verwendung derselben eine bestimmte Weisung zugehen zu lassen.
Wir dürfen die ergebene Bitte aussprechen, uns hinsichtlich des Verteilungsschlüssels baldmöglichst ein Entscheidung zukommen zu lassen und verharren inzwischen in tiefster Ehrfurcht
als Ew. Exzellenz gehorsamster
R. Knobloch
Direktor.