Document no. 20465
Kessler, Josef Alois
: Ansprachen
Seiner Exzellenz, des hochwürdigsten Herrn Bischofs Kessler aus Tiraspol, z.Z. in
Berlin, gelegentlich des Triduums für katholische Russen in Berlin vom 2. bis zum
5. April 1925. Berlin, before 14 April 1925
Gelobt sei
Liebe Christen,
Seine Eminenz, der Hochw-ste Herr Kardinal Bertram, Bischof der Diozäse [sic] Breslau, zu der auch Berlin zählt, ersuchte mich diese Vorträge zu eröffnen. Bereitwillig komme ich hiermit diesem Wunsche nach, indem ich zugleich einige einleitende Worte an auch richte.
Als unser göttliche [sic] Erlöser nach seiner Auferstehung zum dritten Male seinen Aposteln erschien, richtete er an Petrus diese Frage: "Simon, Sohn des Jonas, liebst Du mich?" Petrus antwortete: "Ja, Herr, du weisst, dass ich dich liebe". Jesus sprach zu
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ist genug ein ehrlicher und rechtschaffender
Mensch zu sein". Als ob der Glaube von der Sittlichkeit getrennt werden könnte. Letztere
fliesst vielmehr aus dem Glauben. Aber auch der Glaube kann ohne die gute Sitte nicht
bestehen. Eines ist mit dem anderen unzertrennlich verbunden. Darum sagt die Schrift: "Der
Gerechte lebt aus dem Glauben". Wie leicht kann auch der beste Christ mitten so vieler und
grosser Gefahren unserer modernen Städten Schaden an seiner Seele leiden? Eine Stärkung im
Glauben tut auch daher not oder ist doch euch sehr nützlich. Die Vorträge über das Dasein
Gottes und die Unsterblichkeit der Seele haben aber die Vertiefung und Befestigung eures
hl. Glaubens zum Zweck. Besuchet sie also fleissig, höret sie aufmerksam an, lasset
euch von diesen Wahrheiten tief durchdringen, dann werdet ihr grossen Nutzen daraus schöpfen
für eure unsterbliche Seelen.II. Zum Schluss der Feier
Gelobt sei Jesus Christus!
Geliebte Christen,
Da der Hochw. Prälat heute seine Vorträge abgeschlossen hat (morgen wird er noch eine Predigt über den Eucharistischen Christus halten), so möchte ich seinen Worten noch einiges hinzufügen. Vor allem danken wir dem Herrn Prälaten, weil er in so schönen Worten uns die Lehre über das Dasein Gottes, die Unsterblichkeit der menschlichen Seele und die Nachfolge Christi vorgetragen hat. Möge der liebe Gott ihm seine Mühe reichlich lohnen!
In dem zweiten Vortrag, an den ich hier anknüpfe, bewies uns der Herr Redner, dass mit dem Tode des Leibes nicht alles aus ist, dass nach ihm vielmehr ein Leben beginnt, dass ewig dauert. Dieses gilt von dem physischen Leben der Seele. Die Seele des Christen hat aber noch ein anderes Leben, ein Leben der Gnade. Als Gott unsere Stammeltern schuf, bekleidete er sie mit de<m>3 herrlichen Gewand der Heiligkeit oder dei [sic] heiligmachenden Gnade. Diese Gnade ist das übernatürliche Leben der Seele. Adam und Eva sollten mit der menschlichen Natur ihren Nachkommen auch das übernatürliche Leben der Gnade vererben. Leider übertraten sie Gottes Gebot und verloren die heiligmachende Gnade für sich und ihre Nachkommen. Hätte Gottes vielgeliebter Sohn sich nicht des gefallenen Menschengeschlechtes erbarmt und für dasselbe der Gerechtigkeit Gottes Genugtuung geleistet, alle Menschen wären auf ewig zu Grund gegangen. Aber Christus hat nicht in diesem Sinne für die Menschen genut getan, als ob diese nicht auch selbst gute Werke verrichten müssten, um selig zu werden. Das behaupten die Protestanten. Dies ist jedoch ein verhängnisvoller Irrtum. Jesus Christus hat den Menschen den Himmel, der durch die Sünde Adams allen verschlossen wurde, durch sein Leiden wieder geöffnet und ihnen unschätzbare Gnade verdient, die die Menschen sich zu Nutzen machen müssen, wenn sie ewig selig werden wollen. In der hl. Messe, wo er sich täglich opfert, im allerheiligsten Sakramente verdient er den Menschen noch immer unzähliche Gnaden. Obwohl der Mensch jeglicher Gnade baar [sic] zur Welt kommt, so haben wir dennoch das Kleid der heiligmachenden Gnade damals erhalten als wir getauft wurden. Durch die heiligmachende Gnade hat uns Gott zu seinem Tempel eingeweiht. Darum sagte der Völkerapostel allen Getauften: "Wisset ihr nicht, dass ihr Tempel Gottes seid und dass der Hl. Geist in euch wohnt?" 1. Kor. 3. 16. Schliesset daraus welchen kostbaren Schatz uns Gott geschenkt hat, da er uns die heiligmachende Gnade eingegossen hat. Mit der Gnade der Heiligkeit hat Gott uns auch
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den h. kath. Glauben
geschenkt. Der Glaube ist aber die Wurzel unserer Rechtfertigung. Indessen dieser Glaube
war, solange wir noch nicht zum Glauben der Vernunft gelangt waren, so zu sagen, ein
schlummernder Glaube. Erst mit dem Erwachen der Vernunft tritt an uns die strenge Pflicht
heran, den Glauben in unserem Herzen zu entwickeln, zu stärken. Dassselbe [sic] gilt von der
heiligmachenden Gnade. Vor allem müssen wir diese unschätzbaren Güter bewahren. Den
lebendigen Glauben und die heiligmachenden Gnade verliert der Christ durch den Fall in die
Totsünde. Welch ein schreckliches Übel muss daher die Totsünde sein. Sie ist eigentlich das
einzige Übel auf der Welt. Mit ihm können alle anderen nicht verglichen werden. Darum hat
uns der liebe Erlöser in dem Vaterunser gelehrt um Bewahrung und Erlösung von diesem Über
täglich seinen himmlischen Vater zu bitten. Die Todsünde ist der Tod des übernatürlichen
Gnadenlebens der Seele. Indessen wie gütig ist der liebe Gott! Im Sakramente der Busse hat
er uns ein Mittel an die Hand gegeben, von diesem Uebel befreit zu werden und das
übernatürliche Leben der heiligmachenden Gnade wiederzuerlangen. Erkennet daraus, wie recht
die hl. kath. Kirche hat, wenn sie ihre KInder immer wieder zum Empfang des
Sakramentes der Busse und zur Hl. Kommunion anhält. Ja sie hat strenge befohlen allen
ihren Gläubigen, wenigstens einmal im Jahr, um die österliche Zeit, die sich in dieser
Diozäse [sic] von der Fasten[zeit] bis zur hl. Dreifaltigkeit erstreckt, zu beichten
und die hl. Kommunion zu empfangen. Meine lieben Christen, kommet diesem Gebote
bereitwillig nach. Benützet die schöne Gelegenheit, die sich euch jetzt darbietet, in eurer
Muttersprache beichten zu können. Setzet die guten Vorsätze, die ihr in diesen Tagen
gefasst, ins Werk, wozu ich euch meinen beschöflichen Segen erteile.
1↑Hds. gestrichen vom Verfasser.
2↑Hds. gestrichen vom Verfasser.
3↑Hds. vom Verfasser
ergänzt.