Document no. 3438
Deutsche Frauenliga zur Heimholung der Kriegsgefangenen, Ortsgruppe Münster to Foch, Ferdinand
Münster, 30 March 1919
Die Frauen der Stadt Münster i. W., die sich in der Liga zur Heimholung der Kriegsgefangenen zusammengeschlossen haben, treten vor Euere Exzellenz hin und bitten um Gehör. Sie wenden sich nicht an den Marschall der französischen Armee, um sich mit ihm auseinanderzusetzen über Kriegsziele und Friedensbedingungen, sie kommen als Frauen, die an dem Kriege unschuldig sind; sie kommen als Mütter und beschwören Euere Exzellenz bei dem Andenken an Ihre eigene Mutter; sie kommen als Gattinnen, als Bräute, als Töchter und als Schwestern und bitten Euere Exzellenz um die Freilassung ihrer lieben Angehörigen. Wir wissen, dass unsere Auffassungen über die Berechtigung unserer Bitte auseinandergehen; denn sonst wären die Unsrigen längst daheim. Unsere Herzen,
Euere Exzellenz können tausenden von Frauen ihr Heim, ihre Familie, ihr Glück wieder herstellen. Würden nicht die Frauen der ganzen Welt es Ihnen danken, wenn sie auf Frauenbitten
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hin dieser Forderung der Menschlichkeit nachkäme? Darum bitten wir mit aller Inbrunst:Geben Sie die Gefangenen frei, die sich vor Sehnsucht nach ihrer Heimat verzehren!
Dadurch würde die quälende Ungewißheit von Millionen Frauenherzen genommen, die Euerer Exzellenz diese Tat der Menschlichkeit lebenslang danken werden.