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Dokument-Nr. 14224
Ammann, EllenOldenbourg, Margarete an Pius XI.
[München], 04. Oktober 1923

Abschrift
Heiliger Vater!
Zu den Füssen Euerer Heiligkeit wagen es die Unterzeichneten im Vertrauen auf die immer neuen Beweise der Apostolischen Fürsorge Eurer Heiligkeit und ermutigt durch Seine Excellenz den Hochwürdigen Herrn Nuntius Pacelli an Eure Heiligkeit die ehrfurchtsvollste und dringendste Bitte um Unterstützung Ihres Hilfswerkes zu richten und über dasselbe Folgendes zu berichten:
Waren es früher und noch während des Krieges die Angehörigen der körperlich Arbeitenden und nicht genügend verdienenden Volksschichten, welche vor allem unterstützungsbedürftig waren, so sind es seit der Revolution und vorallem seit der furchtbaren Markentwertung in allererster Linie die Kreise des Mittelstandes, die Klein- und Sozialrentner, sowie die Angehörigen der geistigen Berufe und des Adels, welche die bitterste Not leiden. – Staat und Stadt tun das Möglichste an Unterstützung, ohne jedoch die schreckliche Unterernährung und Verelendung weitester Kreise, besonders auch der heranwachsenden Jugend des
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gebildeten Mittelstandes verhüten zu können. Deshalb ist es seit 3 Jahren unser Bestreben durch mühsam gesammelte Spenden die staatlichen und städtischen Unterstützungen in jeder nur möglichen Form zu ergänzen oder zu ersetzen, wo diesselben verweigert werden müssen. Neben fortlaufenden Barunterstützungen kaufen wir vorallem Lebensmittel, Stoffe, Schuhe und Strümpfe, Seife und Nähfaden und geben diese Dinge zu ganz niedrigen Preisen – jetzt zu ca. 1/10 des Einkaufspreises – an unsere Schützlinge ab, welche glücklich sind, auf diese Weise noch kaufen zu können statt nur von Almosen leben zu müssen.
Zur Zeit haben wir ca. 1400 Personen in fortlaufender Unterstützung, für die wir in jeder nur möglichen Weise, auch durch Ausgabe gut bezahlter Heimarbeit, Vermittlung von Wohnungen und Stellen, Krankenbesuche und Ähnliches sorgen. Es sind darunter 20 Studierende und 340 Kinder, auch viele Protestanten, die wir mit der gleichen Liebe aufnehmen, was ihnen tiefen Eindruck macht.
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Die Erhaltung des Mittelstandes ist eine absolute Notwendigkeit zum Wiederaufbau unseres armen geliebten Vaterlandes.
Zu unserer schmerzlichen Sorge sind unsere Mittel sowohl durch die täglich wachsende Zahl der Hilfesuchenden, wie auch durch die furchtbare Teuerung nahezu erschöpft. Wir blicken deshalb voll hoffender Zuversicht auf die nie versagende Vatergüte Euerer Heiligkeit und erbitten eine Spende, wenn möglich in Lire, welche uns die Fortführung unserer Arbeit wieder auf einige Zeit ermöglichen würde.
gezeichnet
E. Ammann.
M. Oldenbourg.
Empfohlene Zitierweise:
Ammann, Ellen an PiusXI. vom 04. Oktober 1923 , Anlage, in: 'Kritische Online-Edition der Nuntiaturberichte Eugenio Pacellis (1917-1929)', Dokument Nr. 14224, URL: www.pacelli-edition.de/Dokument/14224. Letzter Zugriff am: 15.09.2019.
Online seit 23.07.2014