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Dokument-Nr. 15534
Becker, Christophorus (Taufname: Edmund) an Pius XI.
Würzburg, 30. Juni 1924

Heiligster Vater,
Für das Missionsärztliche Institut in Würzburg konnte bei der Wohnungsnot der letzten Jahre nur ein kleines Häuschen von der städtischen Behörde erlangt werden. Die Räumlichkeiten genügen in keiner Weise für die Bedürfnisse eines solchen Institutes. Bei der so sehr beschränkten Anzahl von 8 bewohnbaren Zimmern ist, trotzdem die jungen Aerzte und Studenten der Medizin in gemeinsamen Räumen beisammen sind, beispielsweise nicht einmal daran zu denken, auch nur ein ganz kleines Zimmerchen für eine Bibliothek einzurichten, von den nötigen Laboratorien, wie sie ein solches Institut doch einmal haben muss um seinem Zweck entsprechend arbeiten zu können, gar nicht zu reden. An weitere Aufnahme von missionsärztlichen Zöglingen ist auch nicht zu denken. Da überdies die Stadt Würzburg unsere gegenwärtige Wohnung in absehbarer Zeit wieder als Heim für alte bedürftige Leute nicht zu entbehren vermag, kann für uns die Benutzung derselben nicht von Dauer sein.
Wie die Verhältnisse liegen, bleibt uns nichts anderes übrig, als entweder an einen Neubau oder den Ankauf eines geeigneten Hauses zu denken. Die erstere Möglichkeit ist bei den hohen Bankkosten ausgeschlossen. Für den Ankauf eines Objektes erscheint die gegenwärtige Zeit jedoch überaus günstig. Infolge des wirtschaftlichen Tiefstandes kann man jetzt Häuser um etwa ein Drittel ihres eigentlichen Wertes erwerben. Bei der allgemein herrschenden Geldnot ist es jedoch nicht möglich auch nur diese Mittel aufzubringen.
Um ein derartiges Unternehmen finanzieren zu können möchte ich die Gunst Eurer Heiligkeit anflehen, uns für diesen Fall ein nur
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hierfür und ein einziges Mal gültiges Privileg zu gewähren, nämlich eine Anzahl Messintentionen im Gesamtwert von 32.000 Dollars derart kraft Apostolischer Vollmacht reduzieren zu dürfen, dass für dieselbe nur die Zahl 3.200 hl. Messen gelesen zu werden braucht.
Diese hl. Messen würden in der Weise zelebriert, dass ein jeder der 32 missionierenden Orden und Genossenschaften Deutschlands 100 hl. Messen übernähme. Die Zahl von 3.200 hl. Messen wird vorgeschlagen, um einerseits die Güte Eurer Heiligkeit nicht allzusehr in Anspruch zu nehmen, andererseits weil man von den missionierenden Orden und Genossenschaften Deutschlands nicht mehr als allerhöchstens die Uebernahme von je 100 hl. Messen erwarten kann, da sie bei der Not der Zeit mit ihren eigenen Sorgen und der Heranbildung ihrer Missionszöglinge zum Priesterstand ohnedies schwer genug zu kämpfen haben.
Die Summe von 32.000 Dollars wird für unsere Zwecke wohl nicht genügen, ich werde mich jedoch aus allen Kräften bemühen, auf andere Weise noch Mittel dafür herbei zu schaffen.
Wir vertrauen auf die väterliche Güte Eurer Heiligkeit, dass Sie uns in dem für die Missionsländer so überaus wichtigen Werke der missionsärztlichen Tätigkeit durch einen derartigen Gnadenerweis zu Hilfe zu kommen geruhen. Wir sind zwar das einzige katholische missionsärztliche Institut in ganz Deutschland, aber durchaus nicht für die deutschen Missionen allein bestimmt, sondern für alle Missionen unserer hl. Kirche, soweit sie unsere Mithilfe in Anspruch nehmen wollen. So bereiten sich gegenwärtig auch zwei gut katholische Aerzte für die italienische Indianer-Missionen von Msgre Massa am Rio Negro vor.
Zu den Füssen Eurer Heiligkeit niedergeworfen bittet um den
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Segen des Vaters der Cristenheit [sic] für sich und das ihm anvertraute Werk
Eurer päpstlichen Heiligkeit
in tiefster Ehrfurcht und stetem Gehorsam
ergebenster Sohn
P. C. Becker S. D. S. Direktor
Empfohlene Zitierweise:
Becker, Christophorus (Taufname: Edmund) an PiusXI. vom 30. Juni 1924 , Anlage, in: 'Kritische Online-Edition der Nuntiaturberichte Eugenio Pacellis (1917-1929)', Dokument Nr. 15534, URL: www.pacelli-edition.de/Dokument/15534. Letzter Zugriff am: 20.09.2019.
Online seit 18.09.2015