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Geheimhaltung

Es gab verschiedene Arten der Geheimhaltungspflicht:
1) Das Beichtgeheimnis ("sub secreto confessionis") diente dem Schutz des Bußsakraments und bedeutet, dass jeder, der den Inhalt einer Beichte hört, zu völliger Geheimhaltung verpflichtet ist (can. 889 CIC/1917).
2) Das Amtsgeheimnis (can. 243 § 2 CIC/1917) verpflichtete alle Mitarbeiter der römischen Kurie zur Geheimhaltung.
3) Das Geheimnis des Heiligen Offiziums war eine besonders strenge Form des Amtsgeheimnisses. Es band die Mitarbeiter des Heiligen Offiziums, der Konsistorialkongregation, die Papstwähler, alle Personen, die bei einem Konklave anwesend waren, alle Personen, die an Selig- und Heiligsprechungsverfahren beteiligt waren, sowie alle, an die eine Mitteilung "sub secreto S. Officii" erging. Seit 1925 unterlagen zudem alle zwischenstaatlichen Verhandlungen und damit die Arbeit der Kongregation für die außerordentlichen kirchlichen Angelegenheiten offiziell dem Geheimnis des Heiligen Offiziums.
Die Bezeichnung Päpstliches Geheimnis ("sub secreto pontificio") wurde offiziell erst 1974 als Ersatz für das Geheimnis des Heiligen Offiziums eingeführt. Die Verwendung dieser Formel in den Nuntiaturberichten ist nicht abschließend zu klären.
Die Strafe für die Verletzung eines der Geheimnisse war der Kirchenbann oder die Exkommunikation (cann. 2257-2267 CIC/1917), die nur vom Papst persönlich aufgehoben werden konnte. Sie wurde damit den ausschließlich dem Papst zur Entscheidung über eine Lossprechung vorbehaltenen Fällen gleichgestellt (specialissimo modo, can. 2245 CIC/1917).
Quellen
GASPARRI, Pietro (Hg.), Codex Iuris Canonici. Pii X Pontificis Maximi iussu digestus Benedicti Papae XV auctoritate promulgatus, Rom 1917, in: www.archive.org (Letzter Zugriff am: 27.02.2018).
Notificatio quaedam declarantur circa competentiam et constitutionem sacrae congregationis pro negotiis ecclesiasticis extraordinarii vom 5. Juni 1925, in: Acta Apostolicae Sedis 18 (1926), S. 89, in: www.vatican.va (Letzter Zugriff am: 27.02.2018).
Literatur
Exkommunikation; Schlagwort Nr. 1618.
KURTSCHEID, Bertrand, Beichtsiegel, in: Lexikon für Theologie und Kirche 2 (1931), Sp. 103-105.
EICHMANN, Eduard / MÖRSDORF, Klaus, Lehrbuch des Kirchenrechts auf Grund des Codex Iuris Canonici, Bd. 1: Einleitung, Allgemeiner Teil und Personenrecht, Paderborn 91960, S. 368, 415.
EICHMANN, Eduard / MÖRSDORF, Klaus, Lehrbuch des Kirchenrechts auf Grund des Codex Iuris Canonici, Bd. 3: Prozeß- und Strafrecht, Paderborn 91960, S. 76 f., 371.
HECHT, Franz Xaver, Die Schweigepflicht in Sachen des Heiligen Offiziums, in: Theologie und Glaube 27 (1935), S. 79-83.
SCHWENDENWEIN, Hugo, Berufsgeheimnis, in: Lexikon für Theologie und Kirche3 2 (1994), Sp. 300.
SCHWENDENWEIN, Hugo, Secretum Pontificium, in: LEISCHING, Peter / POTOTSCHNIG, Franz / POTZ, Richard, Ex aequo et bono. Willibald M. Plöchl zum 70. Geburtstag (Forschungen zur Rechts- und Kulturgeschichte 10), Innsbruck 1977.
WEHLITZ, Kurt, Die Zuständigkeit und Verfassung der Kongregation für die außerordentlichen kirchlichen Angelegenheiten nach dem Schreiben Papst Pius XI. vom 5. Juli 1925, in: Archiv des öffentlichen Rechts 53 (NF 14), Nr. 2 (1928), S. 233-261.
Empfohlene Zitierweise
Geheimhaltung, in: 'Kritische Online-Edition der Nuntiaturberichte Eugenio Pacellis (1917-1929)', Schlagwort Nr. 1852, URL: www.pacelli-edition.de/Schlagwort/1852. Letzter Zugriff am: 20.09.2019.
Online seit 10.09.2018
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