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Gründung der Volksrepublik Ukraine

Die Volksrepublik Ukraine war der erste ukrainische Nationalstaat der Moderne auf dem Gebiet des ehemaligen Russischen Reichs. Im Frühjahr 1917, schon eine Woche nach der Februarrevolution in Russland, begründeten Vertreter unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen in Kiew den Zentral'na Rada, eine Art Vorparlament, der wenige Wochen später vom Nationalkongress legitimiert wurde. Wegen des Übergewichts an Sozialdemokraten und Sozialrevolutionären erhielt er eine deutlich linke Prägung. Mychajlo Hruschewskyjs wurde zum Präsident ernannt.
Der Zentral'na Rada verfolgte zunächst das gemäßigte Ziel einer national-territorialen Autonomie der Ukraine im Rahmen einer demokratischen russischen Föderation. Im Laufe des Jahres 1917 radikalisierten sich die Zielsetzungen allerdings, sodass der Rada am 7. November 1917 die Gründung der Ukrainischen Volksrepublik (UNR) als autonomen Staat verkündete. Seit Oktober 1917 waren auch die Bolschewiki in den Kampf um die Macht eingetreten und wiederholt mit Truppen des Rada zusammengestoßen. Sie proklamierten eine ukrainische Sowjetrepublik als Gegenregierung zur UNR. Der Zentral'na Rada proklamierte am 12. Januar 1918 auf Grund des Vormarschs Roter Garden auf Kiew die Unabhängigkeit der UNR von Sowjetrussland und kooperierte nach dem Fall Kiews am 24. Januar 1918 mit den Mittelmächten. Diese hatten ein großes wirtschaftliches Interesse an der Ukraine, weshalb im Februar 1918 im Rahmen der Friedensverhandlungen von Brest-Litowsk der sogenannte "Brotfrieden" geschlossen wurde. Die Ukraine sollte Getreide an die Mittelmächte liefern, während deutsche und österreichisch-ungarische Truppen die von den Roten Garden bedrängte UNR militärisch unterstützten. So konnte der Zentral'na Rada im März 1918 nach Kiew zurückkehren.
Als sich herausstellte, dass die UNR-Regierung die im Brotfrieden vereinbarten Getreidelieferungen nicht erbringen konnte, verhalfen die Mittelmächte Pavlo Skoropadskyj zur Errichtung eines HetmanatS. Dieser revidierte viele politische Entscheidungen des Zentral'na Rada – besonders augenfällig in der Umbenennung des Hetmanats in "Ukrainischer Staat" – und verfolgte eine rechtsgerichtete, nationalistische Politik. Mit dem Kriegsende brach auch das Hetmanat in sich zusammen. Am 13. November 1918 bildete sich ein sogenanntes Direktorium aus Sozialdemokraten und anderen linken Politkern, die die UNR wieder herstellten und einen erheblichen Teil der Bauernschaft für sich gewinnen konnten. Das Direktorium war jedoch bald tief zerstritten, sodass die Roten Garden im Februar und Dezember 1919 sowie im Juni 1920 wiederholt Kiew besetzen konnten. Im Herbst 1920 setzte sich die sowjetische Herrschaft in der Ukraine durch und 1922 wurde die Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik Teil der UdSSR.
Literatur
JOBST, Kerstin S., Die ukrainischen Länder im Ersten Weltkrieg, in: DIES., Geschichte der Ukraine, Stuttgart 2010, S. 147-164.
KAPPELER, Andreas, Kleine Geschichte der Ukraine, München 32009, S. 165-187.
Empfohlene Zitierweise
Gründung der Volksrepublik Ukraine, in: 'Kritische Online-Edition der Nuntiaturberichte Eugenio Pacellis (1917-1929)', Schlagwort Nr. 7035, URL: www.pacelli-edition.de/Schlagwort/7035. Letzter Zugriff am: 10.07.2020.
Online seit 20.12.2011, letzte Änderung am 30.04.2012
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